Eli

IMG_20180731_142609

Eli ist 28, es geht ihr sehr gut. Okay, sie bräuchte mal wieder ein, zwei Tage frei, dann ginge es ihr noch besser, denn während des Sommers hilft sie im Betrieb ihres Vaters aus, der hier in dem kleinen südkretischen Kaff ein Hotel und eine Strandbar betreibt. Sie arbeitet jeden Tag zwölf Stunden (scheint ein globales Thema zu sein), bis Oktober wird sie keinen freien Tag haben, „und das ist echt schlimm. Das spielt mit den Nerven.“

„Aber hey! Ich wache auf, nehme eine Dusche, gehe zur Arbeit, ganz ohne Stress, ganz ohne Stau im Auto. Das ist super hier, ich kann nicht meckern. Außer an den Tagen, wo es zu windig ist, ist das ein perfekter Ort.“ Dann nimmt sie ihr Einhorn „Nessie“ mit an den Strand und macht ein bisschen Pilates.

„Okay, am Wochenende kann es richtig anstrengend werden, wenn zu viele Leute da sind. Und jetzt kommt der August, da ist es immer schwierig. Da sind zu viele Leute, Griechen und Touristen, die sind sehr unterschiedlich. Es ist nicht einfach, wenn zu viele Menschen in so einem kleinen Ort sind, das ist dann manchmal einen Tick zu viel.“

Letztes Jahr probierte sie es mit einem Job in der Provinzhauptstadt Chania, wo die Leute in einem Spa 60 Euro für eine Massage bezahlten und sie maximal drei Euro davon bekam. In Chania lebt sie im Winter, und dort hat sie Physiotherapie studiert, aber das bringt kein Einkommen, weil die Regierung solche Therapien nicht bezahlt.

Viele junge Leute in Griechenland haben Angst, erzählt sie, sie ziehen zurück ins Hotel Mama, um Kosten zu sparen. Eli ist halb Griechin, halb Deutsche, die Mutter kommt aus Essen. Sie kriegt hier oft zu hören, dass ihre eine Hälfte (die deutsche!) „Scheiße“ ist. Nun leben sogar drei verschiedene Kulturen unter ihrem Dach: Der geschiedene Vater „hat noch mal zwei Kinder gemacht mit einer Schwedin, die geschiedene Mutter noch mal zwei Kinder mit einem Griechen. Boah!“

„Mutter und Stiefmutter sind sich oft einig, weil Schweden und Deutsche ungefähr gleich denken. Aber dann kommt Papa, oder der Stiefpapa, oder die Tante. Und das sind dann Griechen, und die sagen: Das muss so sein! Und dann muss es so sein. Boah!“

Irgendwann macht sie rüber nach Gavdos, „dann sehn die mich hier nie wieder“, lacht sie. Die Insel liegt 35 km weiter draußen im Lybischen Meer und ist die südlichste Insel Europas. „Ich schaue sie jeden Tag an. Ich glaube das tut auch der Seele gut, wenn sie mal den Ort wechselt. Da gehe ich dann hin, wenn hier im November die Ruhe einkehrt. Dann werde ich einfach nur da sitzen und denken: Poah, ist mir langweilig! Das hat man ja so selten!“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s