Helmut

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Helmut ist 50, es geht ihm gut. Er steht zu Allerheiligen am Friedhofausgang des kleinen Ortes und hält den Leuten den Korb zum Geldsammeln hin, er ist Absammler in seiner Pfarrgemeinde, oder Zechprobst, wie man früher sagte. Wir kennen uns aus gemeinsamen Zeiten bei der Jungschar und haben uns vierzig Jahre nicht mehr gesehen: „Die zwei Klingelbeutel gibt es wie eh und je. Früher waren sie grün, vor zwei Jahren haben wir neue bekommen, sie sind jetzt schwarz mit einem farblich etwas anderen Rand, das Glockerl ist noch dran.“

Helmut macht das seit über 20 Jahren, dieser Job ist in seiner Gemeinde den „Älteren“ vorbehalten, die Jungen haben andere Dienste, „Fahnentragen und so. Die Absammler sind eigene Gruppe, die Kantoren und Lektoren auch.“ Helmut trägt auch manchmal die Lesung und die Fürbitten vor, es gibt 30 Lektoren, „der Pfarrer ist zu den Leuten gegangen und hat geschaut, dass sich welche melden“. Er kommt im Monat durchschnittlich einmal dran. Für die Einteilung sind zwei Kollegen zuständig, alle drei Monate bekommt er einen Plan. Helmut lässt sich immer für die Sonntagabend einteilen, andere hingegen können nur in der Früh, weil sie am Abend in den Stall müssen, andere sagen: „Mir ist es wurscht.“

Helmut geht auch in die Kirche, wenn er keinen Dienst hat, prägend für seinen Glauben war das Ministrieren, „da ist man dabei geblieben. Aber man macht es nicht so, wie man es soll, das muss man auch sagen.“ Er ist also nicht der, der keinen Sonntag auslässt, gibt er zu. Da tut es ihm gut, wenn er Dienst hat, denn „da  muss ich“, lacht er, „da ist man strukturiert.“

Helmut hatte nie eine Glaubenskrise, „warum soll ich mir was anderes suchen, oder an gar nichts glauben?“ Der Glaube gehört für ihn zum Leben dazu, „auch wenn du Kinder hast: Taufe, Erstkommunion, Hochzeiten, da kommst du ohne Kirche gar nicht umher am Land. Und wenn du in diesem Umfeld aufwächst … für mich ist es besser, ich habe dieses Umfeld, als ich habe gar keines.“

Auch in Hinblick Tod und Friedhof, vor dem wir stehen: „Du kannst natürlich sagen: Sterben muss jeder einmal. Aber du kannst anders umgehen damit, wenn du in so einem kirchlichen Umfeld lebst, das Sterben wird auf jeden Fall einfacher sein. Ich kann nicht schlecht leben und dann gut sterben, das funktioniert einfach nicht. Ich kann mir keinen eigenen Himmel erschaffen, das wird nicht gehen. Ich glaube, dass das ein jeder selbst ein bisserl weiß: Jede Medaille hat zwei Seiten. Ich kann mir nicht vorstellen, wenn ich einfach Leute umbringen, und dann stelle ich mir den Himmel schön vor, das kann nicht recht funktionieren.“ Helmut glaubt auch ganz sicher, dass es eine Hölle gibt, „aber das darf heute ein Kirchenmann gar nicht predigen, weil sonst ist man heute sowieso schon nicht mehr dort, wo man hin gehört..

Im Ort fühlt er sich wohl, er ist nie weggegangen, er lebt gerne in dieser kleinen Gemeinde am Land. „Wenn man immer schon da ist, verbunden mit den Leute, verbunden mit der Feuerwehr, mit der Musik – die Leute kennen dich, du kennst die Leute, du kommst viel herum. Bei der Feuerwehr kannst du viel helfen auch noch dazu….“ Die schlimmsten Einsätze waren die Verkehrsunfälle mit Toten, „das sind die Extreme, die muss man nicht so oft haben, die bringt man auch nach zwanzig Jahren ganz schwer weg…“

Am Ende schätzen wir noch gemeinsam, wie viel Geld in seinem Körberl ist: Viele Münzen, ein paar Fünfer, kein Zehner, kein Zwanziger, kein … „70 Euro“, sagt er. „Hundert sind es sicher nicht geworden.“

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