Peter Michael

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Peter Michael ist 79, es geht ihm gut. Der Starjournalist bereitet sich gerade auf eine Lesung vor und erzählt: Wahnsinnig aufgeregt ist er vor so einem Termin nicht mehr, nein; seine wöchentliche Falter-Kolumne schreibt er nach bestem Wissen und Gewissen; überzeugt, dass es richtig ist, kann man nie sein; der Aufwand, den er dafür betreibt, ist groß: Er liest „an sich jeden Tag die wichtigsten Zeitungen, ich habe die FAZ abonniert, lese den Economist meistens, und die ZEIT in Auszügen, und verschiedene mir wichtige websites mit wirtschaftlichen Belagen auch. Im Allgemeinen stehe ich um Acht auf und beginne um Neun zu lesen, zuhause  im Wohnzimmer.“

Dann findet er ein Thema und versucht, sich in dieses zu vertiefen. Durch das ständige Lesen ist er mit den meisten Themen halbwegs vertraut, er hat sich aber spezialisiert auf Volkswirtschaft und hält sich von anderen Dingen relativ fern, „sonst wär’s zu viel. Man kann nicht gleichzeitig über die  wirtschaftliche Entwicklung in Nicaragua genau Bescheid wissen und über die in Italien.“

Wie ist es, an Bedeutung zu verlieren, nachdem man z.B. Profil-Herausgeber war? „An Bedeutung habe ich verloren ab dem Moment, als ich 1987 aus dem Profil ausgeschieden bin. Das war dumm von mir, ich hätte nicht ausscheiden müssen, weil die Eigentümer hinter mir gestanden sind. Es sind aber Vorfälle gewesen, wo ich für mich das Gefühl hatte … jemand ist in meinen Schrank eingebrochen und hat daraus Unterlagen genommen, um daraus einen Vorwurf zu konstruieren, der noch dazu falsch war. Da hab ich gesagt: In einer Zeitung, wo man in meine persönlichen Schränke einbricht, will ich nicht sein. Und habe leider in dieser Emotion gesagt, ich gehe. Das war Unsinn. Ein großer Fehler. Das habe ich am nächsten Tag schon bereut. Da ist man eine Zeitlang bitter….“

Aber dann wurde ihm das Ausscheiden dadurch versüßt, „dass mir der Geschäftsführer, der mich nicht mochte zu diesem Zeitpunkt, später mochte er mich dann aber, für einen Leitartikel so viel gezahlt hat wie ich zuvor für meine gesamte Tätigkeit bezahlt bekommen habe: 40.000 Schilling, eine wirklich fantastische Summe für eine Seite Text. Das habe ich vorher für eine Tätigkeit bekommen, wo ich die ganze Woche von früh bis spät in der Redaktion gesessen bin.“ Machte dann 160.000 im Monat.

Das waren die Zeiten, wo auch Manfred Deix angeblich 40.000 Schilling pro Zeichnung bekommen haben soll? „Nein, der Arme hat 3000 bekommen! Und 3000 hat der Deix erst bekommen, nachdem ich sein Honorar deutlich erhöht habe, vorher hat er 300 Schilling bekommen, das war grotesk. Der war wirklich miserabel von der Geschäftsführung bezahlt. 3000 ist dann aus heutiger Sicht immer noch niedrig gewesen, aber damals waren 3000 Schilling immerhin das, was andere im Monat verdient haben.“

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