Peter

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Peter ist 54, es geht ihm gut. Der IT-Techniker mit Schwerpunkt Systembetreuung (Support von Klein- und Mittelbetrieben) hat gegenüber vom Café Loretz an der U-Bahnstation Schweglerstraße sowohl Wohnung also auch Büro. Das ganze Jahr über kommt er ca. vier Mal am Tag hierher: Erstes Kaffeetscherl in der Früh, Pausenkaffeetscherl vormittags, immer wieder gerne ein Menütscherl (Heute: Gulasch, Letscho, Eierschwammerl, die angeblich gestern – eine Stammgästin kommt vorbei und beschwert sich – „ganz schwarz“ waren). Nachmittags noch ein, zwei Mal auf ein paar Soda Zitron, Alkohol trinkt er nicht.

Die Märzstraße, an der wir nun im Gastgarten sitzen, ist eine laute, belebte „Auf-und-Ab-Fahrer-Straße“ für PS-starke Autos und Motorräder, brumm, brumm, brumm. Einmal hat er bei der Polizei angefragt, wie man denn den Lärm der aufgemotzen Motorräder kontrollieren würde, und die sagten ihm: Sie hätten dafür genau zwei Geräte österreichweit. Es wird also gar nicht kontrolliert. Aber, sagt er, es ist gar nicht so schlimm.

Als Peter das erste Mal „da vorne an der Kreuzung ausstieg“, sagte er sich: „Na i waaß net, ob i do wohna wü.“ Jetzt will er nicht nur nicht mehr weg, sondern sitzt sogar für die ÖVP im Bezirksparlament, als Fraktionsvorsitzender, der Anträge einbringt und für die Kommunikation mit den anderen Parteien sorgt. Die Zusammenarbeit war anfangs nicht ganz leicht, bis man sich kennengelernt hat. Die Grünen, die hier sehr stark sind, wären dabei am wenigsten kommunikativ, „das ist halt ihre Art. Sein grünes Rapid-shirt trägt er heute, um eine andere Stammgästin (eine Austrianerin, die gerade vom Friseur kommt), ein bisserl zu ärgern. Aber es ist auch dem Umstand geschuldet, dass man „im 15. und 14. Bezirk einfach der Rapid angehörig sein soll“. Schon der Schwiegervater fuhr aus OÖ zu den Spielen herunter.

Er wird am Nachmittag wieder auf ein Sodazitron hierherkommen und nachdenken, wie er sich die Klimaanlage in sein Büro einbauen soll. Ich schlage ihm vor, auf die Klimanalage zu verzichten und stattdessen ein Portrait von Greta Thunberg aufzuhängen. Wir lachen und verabschieden uns.

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