Ulrich

Ulrich ist 63, es geht ihm „gerade so passabel“, als ich ihn bei Kälte und Regen vor der Malteserkirche in der Wiener Kärntnerstraße treffe. Da war er gerade drinnen, weil er inmitten des Trubels gerne die Stille und Ruhe einer Kirche mag. Auch hat er zwei Kerzen für seine verstorbenen Eltern angezündet, „das mach ich immer wieder mal. Und in dieser Kirche war ich noch gar nie drinnen.“

Er lebte bis vor einem Jahr in Venedig, dort hat er die Zelte abgebrochen, und jetzt lebt er in Wien. Er ist gerade am Weg in Richtung Cafe Bräunerhof, wo „ich mich mit Thomas Bernhard treffe“, lacht er. Aber auch mit einem Regisseur, für den er einen Erotomanen spielen soll. Den Erotomanen hat er immer noch drauf? „Aber sicher!“

Wie immer ist er tiptop gekleidet, die Schuhe sind handgefertigt und einiges an Kleidung vom Schneider, die Hose ist aus Zürich. „Ich lasse mich nicht vereinnahmen von der Bekleidungsindustrie!“, sagt er bestimmt. Und auch nicht von Facebook, Insta und dem ganzen Schrott, Internet hat er bis heute keines.

Wir zeigen uns gegenseitig die alten Boomer-Handys, mit denen wir jeweils hantieren, und lachen herzlich darüber. Dann verabschieden wir uns in die Kälte und Nässe des Tages, ich hinauf in Richtung Apple Store, er hinüber in Richtung Albertina.

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