Andreas

Andreas ist 60, es geht ihm so la la. Ich treffe ihn vier Tage nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt am Desider-Friedmann-Platz, zahlreiche Passanten legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. „Es ist halt so“, sagt Andreas, „dass man mit so was hat irgendwann rechnen müssen, bei der allgemeinen Situation in der Welt. Aber das ist natürlich ein Wahnsinn, was da passiert ist!“

Andreas freut sich, dass auch Vertreter der Islamischen Gemeinschaft Österreichs der Opfer gedenken, „das finde ich gut. Ich hab genug muslimische Freunde, und wenn manche Österreicher glauben, dass es bei uns keinen Islam geben soll: Es hat schon unter dem Kaiser Franz Joseph bosniakische Grenzregimenter gegeben und im Großen und Ganzen nie Probleme! Nur gibt es auf der ganzen Welt halt immer welche, die zündeln, und i vasteh net, warum!“ Er war bei einer großen Versicherung in Wien beschäftigt, wo er mit allen Konfessionen zu tun und nie Probleme hatte. „I sog imma: Wia ma eineschreit in Woed, so schreit’s zruck, so afoch is des.“ Wien stehe nun dafür, dass man sich das „einfach nicht gefallen lassen wird!“ Der Spruch „Schleich di, du Oarschloch!“ gefällt ihm. Deswegen ist er, der „eigentlich ein schwer kranker Mann“ ist  mit schweren Augenproblemen, extra aus dem 10. Bezirk hierher gefahren, um ein Zeichen zu setzen, „dass wir uns nicht unterkriegen lassen.“ Sagt der „überzeugte Österreicher“, bevor er in seiner Steirertracht im Getümmel der Stadt entschwindet.

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