Oleg

Oleg ist 38, es geht ihm so durchschnittlich. Er ist mit Zigarette und einer Dose Zucker unterwegs in Schönbrunn, passend zum dort vorherrschenden „Kaisergelb“ trägt er einen sattgelben Jogginganzug und darüber einen etwas hellgelberen, beinahe knöchellangen Steppmantel. Aus den gewaltigen Kopfhörern dringt russischer Rap an seine Ohren, die heimischen Passanten starren ihn an diesem Sonntag um 12 Uhr mittags alle an, was er genießt. Gelb ist einfach seine Farbe, neben anderen hellen Farben, Hauptsache nicht Schwarz. Seine Unterwäsche jedoch ist immer weiß, versichert er, „das zeigt Sauberkeit“, hätte ihm seine Mama beigebracht. (Anm.: Außer natürlich, sie ist ein bisserl gelb.)

Oleg kommt aus dem schönen Transnistrien, das zwar zu Moldawien gehört, aber irgendwie von den Russen beansprucht wird, sodass die Gegend seit Jahrzehnten in limbo hängt, wie Oleg selbst auch irgendwie. Er lebt nun seit fünf Jahren im noch schöneren Meidling, die schöne Sprache Deutsch hat er sich selbst beigebracht, denn richtig viel Kontakt mit den Meidlingern hat er nicht. Jedenfalls fehlt in seinen Sätze noch das klassische „L“.

Wenn er seine Familie besucht, dann nimmt er neuerdings Bus oder Bahn, denn beim letzten Hinflug haben ihn Turbulenzen so sehr durchgeschüttelt, dass er sich geschworen hat, nie wieder zu fliegen. Was er heute noch machen wird? „Nicht viel … .“ Dann also „Spassibo, Oleg!“ Oder wie wir Meidlinger sagen: „Danke herzlich, Oleg!

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