Toni

Toni ist 65, es geht ihm gut. Immer wieder mal sehe ich den pensionierten Dorfgendarmen entlang des Wanderweges „Veichltal“ in OÖ beim Holzarbeiten. Entweder steht er vor einem seiner Holzstöße in der Gegend und schneidet bzw. kliebt die Scheiter, oder er steht auf den Holzstößen und schlichtet sie. Dutzende Festmeter arbeitet er so pro Jahr weg, dabei besitzt er selbst „keinen einzigen Baum“. Er kauft Windfall, der „blöd zum aufarbeiten ist“, und holt die Stämme heraus. Früher klob er alles mit der Axt, jetzt hat er einen Klieber. „Klieben“ ist ein Erbwort aus dem Mittelhochdeutschen, das dem althochdeutschen „klioban“ entstammt und „spalten“ meint.

Als Toni vor 30 Jahren begann, mit Holz zu arbeiten, schlichtete er die Scheiter noch falsch zusammen. „Bis der Steirer Ernst gekommen ist“, lacht er, ein legendärer Holzknecht in der Gegend, der ihm eine Zeitlang fassungslos zugeschaut und ihm dann gesagt hat: „Heast, Toni! Woaßt du net, wia’s geht? A Weib und a Holzscheitl miassn olleweil am Buckl liegn!“ Oder auf Deutsch: „Eine Dame und ein Holzscheit müssen immer am Rücken liegen!“

Was – sprachlich – ein bisserl unkorrekt ist. Und worüber man – inhaltlich – streiten kann, zumindest, was die „Lage“ der Frau beim Liebesspiel angeht. Jedoch nicht über jene des Holzes beim Schlichten, denn: „Die Scheiter müssen immer mit der Rinde nach unten liegen, nur so kann die Feuchtigkeit entweichen!“ Drei Jahre trocknet das Hartholz dann. Nur wenn die Sonne gut hinscheint und der Wind ein bisschen durch den Stoß zieht, genügen auch zwei.

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