Michael

Michael ist 58, was seine Befindlichkeit angeht, kann er mir berichten: „Ich bin zufrieden!“ Dass er nicht mehr als das ist, liegt natürlich an den Lockdowns. Eigentlich ist er nämlich in der Gastronomie beschäftigt, aber eben seit vielen Monaten schon wieder nicht mehr.

Der sportliche Single („Gott sei Dank!“) wollte immer „ein bisserl was mit Kampfsport machen, aber in meiner Jugend gab es nur Bruce Lee und sonst nix. Okay, ein bisserl Schwarzenegger und Stallone. Aber das ist alles nur Fiction, keine Realität.“

Vor elf Jahren kam er dann zufällig in der Kandlgasse im siebten Bezirk an einem Haus vorbei, aus dem heraus er Kampfschreie hörte. Die machten ihn neugierig, also ging er hinein. Drinnen praktizierte man den koreanischen Kampfsport Taekwondo, dem er seither leidenschaftlich verbunden ist. „Tae“ bedeutet „trampeln“ und steht für die Fußtechniken, „Kwon“ bedeutet „Faust“ und steht für die Handtechniken, und „Do“ steht für das „Ziel“ oder den „Weg“.

Längst ist Michael selbst ein Meister, gleichwohl ist er aber immer noch Schüler. „Jedenfalls bin ich fitter denn je!“, lacht er, wobei: „Muckis sind bei diesem Sport eher störend. Es geht um Schnelligkeit und Präzision, auch um Ästhetik.“

Im Lockdown unterrichtet er seine Schüler jeden Wochentag ab 14 Uhr vor der Stadthalle: „Die Jüngste ist vier, der Älteste über 80.“ Bevor er weiter unterrichtet, zeigt er mir noch eine „Hyeong“, eine der festgelegten Abfolgen gegen einen imaginären Gegner, die aus bis zu 72 Bewegungen bestehen kann: „Faust, Faust, Fuß, Ziel. Faust, Faust, Fuß, Ziel …“

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