Nenad

Nenad ist 42, es geht ihm gut. Der aus Stanišić in Serbien stammende, bereits zweifache Großvater hilft mir bei einem Transport in Wien, er macht Umzüge, Räumungen, Entrümpelungen. Zuvor lebte er schon jahrelang in Berlin, darum berlinert er auch recht ordentlich – „Eyyyy, Mann!“

Nun lernt er seit fünf Jahren die Österreicher kennen, von unfassbar reich („Hast du schon einmal eine 225 Kilo schwere und 70.000 Euro teure Matratze transportiert? Eyyy, Mann! Das ist Wahnsinn!“) bis unfaßbar arm. Wenn er Messie-Haushalte entrümpelt, sagt er, dann kann er immer nur zehn Minuten hinein gehen, danach braucht er eine Pause und ist froh, wenn er sich nicht anspreibt. „Unverständlich, wie die Leute leben. Und was sie Leute alles wegwerfen!“ Oft geben sie ihm nicht einmal etwas zu trinken, wenn er für sie arbeitet, Pause gönnen sie ihm auch meist keine, und Trinkgeld kriegt er sowieso nur äußerst selten. Die Wiener, ist ihm aufgefallen, wären einsam, und der Hund wäre ihnen oft wichtiger als die Menschen.

In Serbien betrieb er früher eine Autowerkstatt und auch schon mal ein Transportunternehmen, seine Frau gebar ihm 17jährig das erste Kind. Sie kommt aus jener ostserbischen Bergregion zwischen den Flüssen Donau, Timok und Morava, in der die ethnische Minderheit der „Vlah“ oder „Vlach“ leben, deren Angehörige alte Mundarten wie Oltenesc oder Bănățean sprechen. Das Leben dort, sagt Nenad, wäre sehr archaisch, es gäbe noch alte Kulte und Zauberein. „Eyyy, Mann! Das glaubst du nicht, aber es stimmt!“

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