Walidullah

Walidullah ist 39, es geht ihm so halbwegs. Gerade war er beim Zahnarzt und spürt noch die Schmerzen. Und seit Putin seinen Krieg gegen die Ukraine begann, ist bei ihm im Bio-Laden Liebling in der Porzellangasse in Wien IX noch weniger los, „manche Ware kommt nicht mehr, manche kommt verspätet.“ Gerade räumt er 70 Kilo Erdäpfel ein, die er zweiwöchentlich aus dem Waldviertel bezieht, die verkaufen sich noch gut. Auch das Suppengemüse, der Ziegenweichkäse aus Frankreich, der Bergkäse aus Vorarlberg, das Fleisch von Schober und Höllerschmid, die Mangalica-Spezialitäten vom Thum.

Zuvor hat er in einem Bioladen im 16. Bezirk am Yppenplatz gearbeitet, dort hat er „die Frau Monika kennengelernt, der der Laden gehörte. Sie hat gefragt, ob ich das Geschäft übernehmen will.“ Nun führt er es seit Beginn des ersten Lockdowns, „es ist nicht so einfach. Da drüben ist ein Hofer, dort drüben ein Denn’s, ich muss kämpfen.“

Walidullah hat zwei Brüder, die im Iran leben, und eine Schwester, die mit dem Vater in Holland lebt. Die Mutter ist tot. Er erinnert sich noch an die Russen und Mudschaheddin, die seine Familie zur ersten Flucht nach Pakistan zwangen. Sie kamen zurück, bis 1996 die Taliban erstmals ihr Terroregime etablierten. Sie flohen in den Iran und kamen zurück, als Karsai Präsident wurde. Walidullah machte ein Diplom in Business Administration und floh 2011 wieder in den Iran, um 18 Monate zurück zu kommen. 2013 schaffte er über die Türkei die Flucht nach Griechenland, über den Balkan erreichte er im Dezember 2014 Österreich. Hier wäre es schön, sagt er, aber es ist natürlich nicht seine Heimat, an die er oft mit Wehmut denkt. Irgendwann möchte er zurück.

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