Bernhard

Bernhard ist 45, es geht ihm gut. Vielleicht, weil er jünger aussieht („Danke für das Kompliment!“), vielleicht, weil er es vor 25 Jahren aus Vorarlberg hinaus in die Welt geschafft hat. Dort ist er in Lustenau aufgewachsen und in Bregenz in die Schule gegangen. Danach wurde ihm dort alles „too small“, und er nahm den Bummelzug nach Wien, acht Stunden lang saß er im Raucherabteil mit ein paar Flaschen Gösser.

Den Eltern zuliebe inskribierte er Publizistik und Soziologie. Zur Mitte des Studiums probierte er es an der Angewandten und wurde in die Malereiklasse aufgenommen, anfangs lernte er beim Frohner („ziemlich fad“),  dann  übernahm die Johanna Kandl, bei der er auch das Diplom machte.  „Mit Müh und Not habe ich auch das Soziologisttudium beendet, beim legendären und leider unlängst verstorbenen Fußballphilosophen Roman Horak.“ Das Problem war: „Die Kunstschule war 24 Stunden offen, man hat dort alles gehabt bis hin zum Bierautomaten, irgendwann gab es quasi keine Notwendigkeit mehr, hinaus zu gehen.“

Ich treffe ihn während der 5. Grätzl Open Art im Nibelungenviertel in seinem Atelier, das ebenerdig genau gegenüber meiner Wohnung im 3. Stock liegt. Als er seinen Sohn hier in den nahegelegenen Kindergarten am Burjanplatz brachte, kam er jeden Tag an diesem Haus vorbei und schaute durch eine zerbrochene Glasscheibe in das völlig zugeräumte Atelier. Irgendwann war der Müll weg, und er rief die Hausverwaltung an. Die sagten ihm sehr unfreundlich, er solle sich halt bewerben! Als er dann bettlägrig war, tat er das, und sie boten es ihm tatsächlich an: Riesig, mit richtig hohen Räumen. Problem: Es war keine Heizung herinnen. Sie schlugen ihm vor, einen großen Industrieholzofen einzubauen, um die Kubatur heizen zu können, aber den hätte ihm der Rauchfangkehrer nicht genehmigt. Schweren Herzens rief er die Hausverwaltung an und sagte ab. Zwei Tage später riefen die ihn aber wieder an und sagten, sie würden ihm eine neue Elektrik sowie eine Gasetagenheizung mit einer Brennwerttherme einbauen, wenn er fünfzig Euro mehr Miete im Monat zahlen würde. Vertrag: unbefristet. Seine Antwort: „Deal!“

Das Lotterleben seiner Studientage nahe des Bierautomaten auf der Angewandten hat er längst gegen ein Familienleben mit zwei Kindern und einer Wohnung in Hütteldorf getauscht. Er arbeitet 9 to 5, um seine beiden Galerien in Dubai und in New York am Broadway bedienen zu können. Dort gefällt es ihm am besten, aber hier in Fünfhaus findet er es auch ganz angenehm.  

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