Lisa

Lisa ist 24, es geht ihr gut. Sie ist im 15. Bezirk aufgewachsen und ging am Schuhmaierplatz im 16. zur Schule. Nach dem Unterricht verbrachte sie – klassisch – viel Zeit in der Lugner-City, wo sie sich bei reichlich Nachos alle Marvel-Filme im Kino anschaute, Captain America war ihr Held, „der war schon der coolste, und fesch ist er auch!“ Bei der Kendlerstraße draußen skatete sie so lange, bis sie ein Unfall stoppte. Vor zwei Jahren fing sie wieder mit Longboard an, „auch schon zwei Unfälle, aber nichts Schlimmes!“, lacht die Frohnatur. Hauptsache Spaß und Adrenalinausschüttung.
Kein Wunder, dass sie „nie ein Schulmensch“ war. Sie begann eine Lehre als Restaurantfachfrau in einem Gasthaus beim Praterstern. „Viel Schnitzi, viel Bier, das war sehr hart“, sagt sie. Sie kündigte und ging ins Gartenhotel beim Schöpfwerk, wo sie die Lehre vollendete. Danach machte sie beim Wifi ihr Barkeeperdiplom und konnte mal 300 Cocktailrezepte auswendig. Dass die Zutaten immer besser werden, Sirup und Säfte selbst gemacht werden, vom Craft-Gin nicht zu reden – das gefällt ihr. Danach fing sie als Commis de rang = Tellerträgerin im Kursalon Hübner an, nach einem Jahr übernahm sie 20jährig die Restaurantleitung in einem männerdominierten Team. „Das war auch hart, aber wenn man´s nicht macht, wird man´s nie lernen.“ Nun freut sie sich auf ihr erstes Konzert nach dem Lockdown, Rammstein nächstes Jahr muss sie unbedingt sehen: „Tausende Leute gehen zu guter Musik ab, das ist schön!“ Ihr Adrenalin bereitet sich bereits auf die Ausschüttung vor.

Rudi

Rudi ist 55, es geht ihm gut. Ich treffe ihn zufällig nach über 20 Jahren wieder in Wien, nachdem er als Kriegsflüchtling 1992 Jahre für ein paar Monate bei meinen Eltern in OÖ gewohnt hat, zusammen mit seiner Frau Halina und Sohn Anel, Sohn Amel und Tochter Asra wurden dann hier geboren. Die Rogovics lebten auch bei uns, volles Haus. Im März des Jahres war er aus Deutschland nach Živinice zurückgekommen und dachte: „Was ist da los? Das wird gefährlich.“ Bis heute versteht er nicht, wie das friedliche Zusammenleben im Krieg enden konnte.

1997 war er mit meinem Vater auf dem Weg nach Bosnien. In Maribor übernahm Rudi das Steuer des Wagens, fünf Minuten später verlor ein Lastwagen auf einer Brücke einen 19 Kilo schweren Wagenheber, durchschlug die Scheibe und zertrümmerte Rudi den Kiefer, Aufschlaggeschschwindigkeit weit über 100 km/h. Mein Vater konnte den Wagen stoppen, Rudi lag danach vier Tage im Koma, aber er überlebte.

Seit 2004 ist er Kranfahrer. Der höchste Kran war mal mit 75 Meter einer in  Tulln, der längste Ausleger war am Hauptbahnhof mit 70 Metern und 30 Meter Schienen am Boden, 12 Tonnen maximale Last. Bei starkem Wind und ohne schützende Wände herum geht es da oben ziemlich hin und her, „aber ich habe keine Angst, ich bin locker.“ Vor Arbeitsbeginn checkt er den Kran wie ein Pilot das Flugzeug, nach 15 Minuten, die er für den Aufstieg braucht. Jause kann er sich mit dem Kran hinauf holen. Häufigste Frage an einen Kranfahrer: „Was, wenn du aufs Klo musst?“ Einfache Antwort: „Na, ich geh einfach!“

Nenad

Nenad ist 42, es geht ihm gut. Der aus Stanišić in Serbien stammende, bereits zweifache Großvater hilft mir bei einem Transport in Wien, er macht Umzüge, Räumungen, Entrümpelungen. Zuvor lebte er schon jahrelang in Berlin, darum berlinert er auch recht ordentlich – „Eyyyy, Mann!“

Nun lernt er seit fünf Jahren die Österreicher kennen, von unfassbar reich („Hast du schon einmal eine 225 Kilo schwere und 70.000 Euro teure Matratze transportiert? Eyyy, Mann! Das ist Wahnsinn!“) bis unfaßbar arm. Wenn er Messie-Haushalte entrümpelt, sagt er, dann kann er immer nur zehn Minuten hinein gehen, danach braucht er eine Pause und ist froh, wenn er sich nicht anspreibt. „Unverständlich, wie die Leute leben. Und was sie Leute alles wegwerfen!“ Oft geben sie ihm nicht einmal etwas zu trinken, wenn er für sie arbeitet, Pause gönnen sie ihm auch meist keine, und Trinkgeld kriegt er sowieso nur äußerst selten. Die Wiener, ist ihm aufgefallen, wären einsam, und der Hund wäre ihnen oft wichtiger als die Menschen.

In Serbien betrieb er früher eine Autowerkstatt und auch schon mal ein Transportunternehmen, seine Frau gebar ihm 17jährig das erste Kind. Sie kommt aus jener ostserbischen Bergregion zwischen den Flüssen Donau, Timok und Morava, in der die ethnische Minderheit der „Vlah“ oder „Vlach“ leben, deren Angehörige alte Mundarten wie Oltenesc oder Bănățean sprechen. Das Leben dort, sagt Nenad, wäre sehr archaisch, es gäbe noch alte Kulte und Zauberein. „Eyyy, Mann! Das glaubst du nicht, aber es stimmt!“

Nina

Nina ist 44, der zweifachen Mutter geht es gut. Nach der Kindergartenpädagogik-Matura in Liezen kam sie 1996 nach Wien und studierte Pädagogik, danach machte sie eine Ausbildung zur Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Psychodrama. Dazu paßt, dass sie mit Anfang 20 ein Angebot aus der Filmbranche bekam, das sie gerne annahm:

Die Landjugend in ihrer Herkunftsgemeinde drehte einen Kurzfilm („Ich glaub so 30 Minuten“), Nina spielte die Junge Frau, in die sich der Jungbauer verliebte, die aber leider keine Bäuerin war, sondern „nur“ auf der Raiffeisenkassa arbeitete (was streng genommen ohnehin der dem Bauerndasein nächstgelegene Lebensentwurf am Land ist). Sie trug kein Dirndl, sondern Businesslook, „den ich mir von meiner Tante habe ausborgen müssen, die so was gehabt hat“. Außerdem lackierte Fingernägel, die dem Altbauern ein Dorn im Auge waren, weil sie damit seiner Meinung nach nicht in den Stall gehen konnte, und kochen konnte sie auch nicht. Ihre Haare „waren auftoupiert und mein Gesicht richtig arg geschminkt.“ Wie der Film hieß? „Du meine Güte, wenn ich das noch wüßte! Landliebe? Na, das ist das Joghurt. Landleben!“ Der Film bekam sogar einen Landjugend-Preis.

Beim anschließenden Interview wurde Nina gefragt: „Wie mochst du des, dass du so a Liebesszene spülen kaunnst?“, und sie sagte: „Na, da hab ich mir halt wen Anderen vorgestellt!“ Die Liebesszene spielte klassisch im Heuboden. Von dort ging das junge Paar noch unbeschwert in die Küche, dort saß allerdings der Altbauer und sagte: „Schau dir die an! Die brauch ma net do!“ Man schrieb das Jahr 1998 im sehr kleinen Land Österreich.

Christian

Christian ist 53, seit achtzehn Monaten geht es ihm wieder gut. Bis dahin arbeitete er 35 Jahre lang als Rauchfangkehrer, was ihm einen lädierten Rücken inklusive vieler schmerzstillender Medikamente im Blutkreislauf einbrachte, schließlich „konnte ich trotzdem nicht mehr gehen.“ Eine schwere Operation besiegelte das Ende seiner Karriere, mit den Rauchfängen war es vorbei. In der Krone las er damals zufällig ein Annonce: Suche Fiakerfahrer. Er hat angerufen, und am nächsten Tag saß er bereits als „Lehrling“ am Kutschbock, „bin zwei Monate mitgefahren und hab dann an und für sich die zwei Fiakerführerscheine gemacht, die Fahrprüfung und die Magistratsprüfung. Seither fahr ich.“ Und mit dem Kreuz funktioniert es auch besser als zuvor, sogar ohne Pulverl.

Nebenher war Christian mal „ein Zeitlang Piercer“, er besuchte „Piercing Conventions“ und „Body Modification“-Messen, wovon sein schönes Peckerl in der linken Ohrmuschel zeugt. Vielleicht muss er den Job bald wieder angehen, sollten die Geschäfte weiterhin so schlecht laufen, „wir wissen gar nicht, ob wir es überleben werden.“ Neben Corona ist immerhin die Frage der Pferdeäpfel, die der Bezirksvorsteher nicht sehen will, gänzlich in den Hintergrund getreten.

Christian kommt an drei bis vier Tage pro Woche aus Mödling nach Simmering, von dort fährt er mit den zwei Schimmeln fünfzig Minuten lang in die Stadt. Während der Saison fährt er „um zehne wieder hinaus, um elfe bin ich im Stall, um Mitternacht bin ich daheim. Dann sind wir drei richtig müde“, lacht er. „Meine Pferd’ seh ich dann öfter als meine Gattin.“

Andrea

Andrea ist 55, es geht ihr gut. Ich sehe die gebürtige Eferdingerin am Wiener Graben mit ihrer Staffelei und ihren Farben stehen, den Blick ausgerichtet auf das Haus Ecke Spiegelgasse, in dem einst der K. u. K. Herrenausstatter E. Braun & Co. untergebracht war, bevor Palmers und H&M … same old story. Unter dem verglasten Atelierdach auf Otto Wagners Ankerhaus daneben malte einst Hunderwasser seine Schinken.

Am ersten sonnigen Apriltag nach dem Katastrophenwetter hat Andrea ein Bild, das sie vor 15 Jahren begonnen hatte zu malen, eingepackt und hierhergebracht. „Es ist immer so schief und verwackelt in der Gegend herum gestanden, jetzt hab ich mir gedacht: Verwackelt darf es eh sein, aber es war mir zu flach, jetzt hat es mehr Tiefe.“ Auf dem Bild sieht man, wie das Haus vor 15 Jahren ausgesehen hat: Die Fassade war noch viel bunter, nur eine STRABAG Absperrung stand auch damals schon in der Gegend herum. Fertig wird das Bild auch heute nicht werden, „ich komm sicher noch drei Mal her, und wenn ich es nicht verkaufe, dann geh ich in fünf Jahren noch einmal drüber.“ Wobei: „Heuer habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Bild begonnen und in einer Woche fertig gemalt.“ Da hat sie ein bisserl gefroren, „aber der Baum hinter der Altlerchenfelderkirche blühte so schön!“

Gerne packt sie auch alles zusammen und reist zum Malen nach Brooklyn, ein Atelier dort wäre ihr Traum. Sie wird es sich leisten können, wenn sie ihr Bild jetzt wegen mir um ein paar Millionen verkauft, und dann bekomme ich ihr nächstes. „Versprochen?“ „Versprochen!“

Michael

Michael ist 58, was seine Befindlichkeit angeht, kann er mir berichten: „Ich bin zufrieden!“ Dass er nicht mehr als das ist, liegt natürlich an den Lockdowns. Eigentlich ist er nämlich in der Gastronomie beschäftigt, aber eben seit vielen Monaten schon wieder nicht mehr.

Der sportliche Single („Gott sei Dank!“) wollte immer „ein bisserl was mit Kampfsport machen, aber in meiner Jugend gab es nur Bruce Lee und sonst nix. Okay, ein bisserl Schwarzenegger und Stallone. Aber das ist alles nur Fiction, keine Realität.“

Vor elf Jahren kam er dann zufällig in der Kandlgasse im siebten Bezirk an einem Haus vorbei, aus dem heraus er Kampfschreie hörte. Die machten ihn neugierig, also ging er hinein. Drinnen praktizierte man den koreanischen Kampfsport Taekwondo, dem er seither leidenschaftlich verbunden ist. „Tae“ bedeutet „trampeln“ und steht für die Fußtechniken, „Kwon“ bedeutet „Faust“ und steht für die Handtechniken, und „Do“ steht für das „Ziel“ oder den „Weg“.

Längst ist Michael selbst ein Meister, gleichwohl ist er aber immer noch Schüler. „Jedenfalls bin ich fitter denn je!“, lacht er, wobei: „Muckis sind bei diesem Sport eher störend. Es geht um Schnelligkeit und Präzision, auch um Ästhetik.“

Im Lockdown unterrichtet er seine Schüler jeden Wochentag ab 14 Uhr vor der Stadthalle: „Die Jüngste ist vier, der Älteste über 80.“ Bevor er weiter unterrichtet, zeigt er mir noch eine „Hyeong“, eine der festgelegten Abfolgen gegen einen imaginären Gegner, die aus bis zu 72 Bewegungen bestehen kann: „Faust, Faust, Fuß, Ziel. Faust, Faust, Fuß, Ziel …“

Laura

Laura sagt mir gleich, dass ich mir meine Frage nach ihrem Alter sonst wohin stecken könne, sie unterrichtet nämlich Diversity an der Universität in Graz, und da könne sie mir viel erzählen zum Thema, aber ansonsten: „Danke, es geht mir gut!“ Die gebürtige Mailänderin, die dort immer noch ihren Zweitwohnsitz hat, hat sich gerade neben ihrem Hauptwohnsitz Graz einen kleinen Drittwohnsitz in Wien eingerichtet.

Die vielen Male davor, die sie als Besucherin in der Stadt war, gefiel es ihr gar nicht, sie musste immer an Mottenkugeln denken. Während ihres letzten Besuches aber graste sie einschlägige Kaffeehäuser ab, und da schau her! Der Charme der Kellner („Wos woin S’?) überwältigte sie. Außerdem mag sie das „erkennbar Progressive“ der Stadt.

Die Tochter eines Motorradrennfahrers und einer Jetsetterin im Diplomatendienst ist weit gereist, kam aber erst spät zum ersten Mal nach New York. Davor war sie in Tokio, und als man sie im Big Apple fragte, wie ihr die Stadt denn gefallen würde, sagte sie: „Nice.“ Darüber waren die New Yorker aber gar nicht „happy“, die glauben ja immer, sie wären so „awesome“. „Aber gegen Tokio ist das einfach ein Dorf“, sagt Laura.

Ihre schönste Reiseerfahrung führte sie ohnehin nach Montevideo in Uruguay, an der Mündung des Río de la Plata gegenüber von Buenos Aires gelegen. „Dort laufen alle mit so Riesenbechern Mate-Tee in der Hand herum, also wirklich Riesenbecher, dreimal so groß wie in Buenos Aires. Aber vielleicht ist das der Grund, warum sie herüben dreimal so entspannt sind wie die drüben.“

Kathrin

Kathrin ist 29, es geht ihr gut. Sie ist neben dem Bauernhof ihres Onkels Rudi und ihrer Tanten Mizzi und Hanni in Pichl im südlichen Oberösterreich aufgewachsen. Mit sechs Jahren wußte sie, dass sie Bäuerin werden will. Nach dem Polytchnikum begann sie die Lehre (zehn Wochen pro Jahr Berufsschule in Kirchschlag, der Rest des Jahres Praxis), nach drei Jahren war sie Facharbeiterin. Gummistiefel, Dreck und Mist stören sie nicht. Um halb sechs Uhr steht sie jeden Tag auf, um sechs ist sie im Stall, dann melkt sie, füttert sie, mistet sie aus, putzt sie den Stall. Um neun ist sie fertig und geht frühstücken. Der Sommer ist ihr so lieb wie der Winter.

Der Biohof wird von drei Verbänden kontrolliert, mittlerweile sogar von einem deutschen, weil der regionale Verband die Biomilch nicht mehr vermarkten kann. „Eigentlich“, sagt Tante Mizzi, „ist es zum Aufhören.“ Sie machen trotzdem weiter mit zehn Kühen („Sonja, Samantha, Orchidee, Cindy, Susi, Milli, Sterndl …“) und fünf Kälbern, die im Sommer auf der Alm sind. Dazu ca. zehn Hendl, die ca. fünf Eier pro Tag legen, und gleich drei Hähnen, „damit die alten Herren nicht überfordert sind.“

„Wenn´s einem Vieh schlecht geht, geht’s mir auch schlecht“, sagt Kathrin. Darum werden die Kälber nicht enthornt, „weil ihnen das einfach weh tut.“ Und das Federvieh stirbt als zähe Suppeneinlage eines natürlichen Todes. Das Fleisch einer halben Kuh reicht für zwei Jahre. Kuh Cindy ist gerade trächtig. Katharina meint, dass sie bereits Senkwehen hat. Am 9. April ist der Termin.

Milli IX

Milli ist heute 80, es geht ihr gut: „Ja, warum nicht? Es gibt nix, wo ich sag, das war nichts in meinem Leben, wir haben immer wieder weiter gemacht, auch wenn es schlimm war, die Monika, wie sie gestorben ist … wir haben weiter gemacht. Und immer waren Leute um mich, immer so viele Leute. Bereuen tu ich nichts, was soll ich bereuen, was hätte ich bereuen sollen? Na, da hast du keine Chance, bereuen tu ich nichts, da kriegst nix aussa aus mir. Ein liebstes Kind hab ich keines, du blöder Bub, wie soll es das geben, ich hab ja jedes von euch so geliebt, jedes von euch war am Anfang schon so lieb, andere sind ja oft so schiach, ihr wards von anfang an schon ausgebacken, richtig für Fotos fertig.
Der Franz, ja, der war meine Liebe, mit meinem Mann war ich zufrieden, absolut. Unser erster Kuss beim Kalvarienberg, wie er mich hoch gehoben und dann geküsst hat, wunderschön. Ich hätte so viele andere haben können, solche Volldeppen waren dabei, der Dati hat oft so lachen müssen, wenn sie wieder zu uns zum Hof gekommen sind, schau sie dir an die Narren, jetzt kommen sie schon wieder. Der eine hat mit seine Maschine angegeben, der andere mit seinem Auto, dann sind sie beim Troatkasten gesessen und haben gewartet, ob ich schon in den Stall gehe, hab ich gesagt zu ihnen: Was tu’s denn ihr da? Arbeiten kann eh keiner von euch, gehts wieder! Der Karl und der Franz, euer Vater, die haben sogar mal gerauft um mich, aber der Franz hat format gehabt, und der Dati hat ihn sofort von Anfang an gemocht, die zwei passen zusammen. Das war lustig, wenn er mich mit dem Moped heimgebracht hat hinauf nach Oberweng, da hab ich immer absteigen müssen, weil es so steil war. Vorher ist er ja ein bisserl mit der Trudi gegangen, mit der Kellnerin vom Kemmetmüller, wo ich Köchin war. Aber am ersten Tag, wie ich beim Kemmetmüller angefangen habe, hat er die Trudi stehen lassen, da war sie bös auf mich. Aber er hat nur noch mich angeschaut. Ein großer Bauer hätte mich auch wollen, nimmt den Willi, haben sie gesagt, der hat so einen großen Hof. Aber ich wollte nicht, ich wollte den Franz.
Für das Hochzeitskleid haben wir eine Schneiderin gehabt, das war wunderschön, und er hat einen eleganten Anzug gehabt, er war groß und fesch, ich eigentlich klein, aber das hat gepaßt. Unsere Hochzeit, was da Leute waren! Der Pfarrer hat sicher 200 Ministranten gehabt, der Hochzeitszug war hinaus bis zum Sieghart, ganzen hinten wir in der Kutsche. Wir haben so viele Gläser geschenkt gekriegt, ich weiß nicht, wie viele Gläser, so was Blödes. Eine schöne Bettwäsche hab ich mir vorher schon gekauft, ich hab gespart beim Kemmetmüller, meine Güte, arm sind wir gewesen. Dann haben wir froh sein können, dass wir beim Lois und der Frieda haben einziehen können, kein Bad, ein Klo, eine Küche, ein Schlafzimmer. Aber es war uns wurscht, wir waren eh bei unserem Haus herüben und haben gebaut, und wir waren verliebt, das war das wichtigste.
Schön war mein Leben, sehr schön. Aus mir kriegst nichts ausse, dass was nicht schön war.“