Patrizia

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Patrizia ist 41, es geht ihr sehr gut. Nach der Schule machte sie eine Lehre als Friseurin beim Er-Ich im 1. Bezirk und beim Grecht in der Spitalgasse. Sie schneidet noch heute „irrsinnig gerne Haare“, am liebsten „einen langen Stufenschnitt à la 80s“. Mittelscheitel? „Auf jeden Fall!“, lacht sie begeistert. „Mit Stirnfransen. Und darunter eine Dauerwelle“, damit der Kunde ausschaut „wie ein Christbaum.“

Nach der Gesellenprüfung wechselte sie zum Jazzgesang. Singen war für sie ein Ventil, „um gewisse Energien raus zu lassen, die für mich damals mit 18, 19 nicht mehr erträglich waren.“ Sie hat sich am Prayer-Konservatorium beworben, aber der dortige Gesangslehrer sagte zu ihr: „Brauchst nicht studieren, ich mache dich über Nacht zur Barsängerin.“ Patrizia kaufte sich ein blutrotes, bodenlanges Kleid mit Spitze beim Lord Rieger auf der Mariahilferstraße, „so hat es begonnen, mehr hat es nicht gebraucht.“ Sie sind herumgetingelt und z.B. im Casino in Kärnten aufgetreten, „wo wir auch vorzüglich behandelt worden sind. In der Pause bekamen wir ein Extrawurstsemmerl.“ Über die Entlohnung in diesen eineinhalb Jahren will sie lieber nicht mehr nachdenken, lieber lacht sie wieder.

Danach studierte sie am Gustav Mahler Konservatorium in Wien und machte dort das Künstlerische Diplom mit Auszeichnung, seither tritt sie auf. Letzten Dezember rief sie ein Schlagzeuger an, sie brauchten eine Sängerin für ein Kreuzfahrtschiff, Abreise: Juni 2018. Patrizia sagte: „Na gut, ich fahre mit.“ In Dubrovnik bestieg sie die MS 2 Europa mit Endstation Mallorca. Jeden Abend absolvierte sie mehrere Shows auf verschiedenen Decks in verschiedenen Bars für die „typisch gehobene Klientel“. Keine flip-flops, keine espandrillos, immer high heels auch bei hohem Seegang. „Man schläft in Kajüten ohne Fenster. In diesen Stockwerken riecht es. Du musst das ganze Equipement immer herum schleppen. Alkohol darfst du keinen trinken.“ Bezahlt wurde sie immer „besser als die Kellner. Wahrscheinlich.“

Die Reise ging über Dubvorvnik und Hvar nach Capri: „Eine richtige Enttäuschung! Dort holt die Camorra die Leute mit ihren eigenen Booten vom Schiff ab. Und ich habe keine einzige Caprihose gefunden, das kann es ja nicht sein!“ Lacht, und geht nach Hause.

 

 

 

 

 

 

 

 

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