Ingrid

Ingrid ist 70 plus, es geht ihr gut. Ich treffe sie am Vorgartenmarkt, wo sie an einem Workshop teilnimmt, sie interessiert sich für alles, was mit Kunst zu tun hat. „Ohne Kunst ist das Leben wie eine Suppe ohne Salz.“ Ihr Vater war akademischer Maler, der sie auf seine Streifzüge durch die Natur und die Stadt mitgenommen und „das Sehen gelehrt“ hat. Sie selbst ist gelernte Schauspielerin, „es hat früher sehr viele Kellertheater gegeben, leider sind die alle geschlossen.“ 1958 kam sie nach Wien und wuchs in Hietzing auf, aber die Innere Stadt war ihr Bezrik. „Dort gab es das Tabarin in der Annagasse, man hat Boogie getanzt. Dann gab es Fatty’s Saloon, der war wunderbar. Fatty hat die Szene aufgemischt, ich habe Jazz geliebt, was bei Frauen absolut nicht üblich war.“ Sie gehörte einer Gruppe lebenshungriger Existentialisten an, „wir waren alle schwarz angezogen und haben uns in Theaterpremieren reingesetzt und provoziert, vom Existentialismus hatten wir aber keine Ahnung.“ Dann entdeckte sie H.C. Artmann: „Auf der Mariahilferstraße gab es eine Buchhandlung, dort lag ein Buch, ich kann mich so gut erinnern: Med ana schwoazzn Dintn stand drauf. Das war herrlich!“

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