Milli VII

Milli ist nach wie vor 79, es geht ihr trotz Saukälte draußen gut. Die Sonne scheint, die Straße ist begehbar, so kann sie bald ihren täglichen Spaziergang machen. Zuvor in der Küche sage ich: Erzähl mir von Eurem Hof.

Unser Hof? Na gut. Mein Datti, Euer Opa, ist beim Schifter in Oberweng aufgewachsen, das waren 13 Kinder glaub ich, zwölf oder dreizehn, das war normal damals, so viele Kinder, er ist 1910 geboren. Dann ist irgendwann das Geld nichts mehr wert gewesen, Geld haben sie eh nie gehabt, aber das war so, es war dann überhaupt nichts mehr wert. Und der Schrofler hat das Singerskogel verkauft, alle haben gesagt: Das Singerskogel ist das Leitnkogel. Weißt du, was „Leitn“ heißt? Ja, leiden auch, aber eine „Leitn“ ist eine steile Wiese, und der Hof hat nur steile Wiesen gehabt, da hat man viel leiden müssen. Gekostet hat er ein Ochsengespann oder so, ein gutes Ochsengespann war damals viel wert. Steine geklaubt, was wir Steine geklaubt haben, was wir uns geschunden haben. Und der Bugl Sepp unter uns, der hat die ganzen flachen Wiesen gehabt, der hat uns immer ausgelacht.

Der Bruder vom Datti, der Hermann-Vetter, wie ihr ihn genannt habts, war ein Liliputaner, ich weiß nicht, warum. Der hat unterhalb vom Singerskogel das Haus genommen, alle Geschwister sind in der Gegend geblieben, die Schwestern haben auf einen Hof geheiratet oder sind als Dirn irgendwo untergekommen, die Brüder haben irgendwo was genommen. Der Hermann-Vetter hat in Spital unten Schuster gelernt, mein Bruder, der Herbert, hat den so gerne gehabt, der ist immer bei ihm in der Werkstatt gesessen und hat mit den Nägeln gespielt, und er hat ihm die Haare geschnitten. Und der Hermann-Vetter hat auch eine Gitarre gehabt.

Drüben beim Hozn war eine Bäuerin vom Gschwandt, die hat ihr erstes Kind gekriegt, und die hat dann ihre Schwester geholt, dass sie ihr hilft, das war meine Mami, die Maria, Eure Omi. Die Hozn Bäuerin hat zu ihr gesagt, da oben beim Singerskogel ist ein netter Bauer, und sie hat ihn sich angeschaut. Gefallen hat er ihr, aber sie hat gesagt: Na, zu dem Leitnenhof zieh ich sicher net! Weil sie war von draußen vom Schweizersberg in der Gegend. Aber dann haben sie sich doch so gern gehabt und sie ist doch zu ihm gezogen und sie haben geheiratet. Und dann bin ich geboren, und nach mir der Herbert, dann die Maria, dann der Franz, dann die Anni, das erste Kind, der Franzl, ist tot auf die Welt gekommen, den hat der Doktor herausschneiden müssen. Dann haben wir noch die Martha aufgenommen und die drei Gschwandtner Buben von einer Schwester von der Mami, es war immer was los.

Die Wiesen waren so steil, dass der Herbert, wie er einmal mit dem Ross und dem Wender hinter dem Troatkasten das Heu umgedreht hat, mitsamt dem Ross und dem Wender abgestürtzt ist, das Ross und der Wender und der Herbert … aber es war trotzdem schön, sehr schön war`s.

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