Brigitte

Brigitte ist 49, es geht ihr halbwegs gut. Ich treffe sie um 06.30 Uhr bei der U6 Längenfeldstraße, wohin sie drei Mal pro Woche mit dem Pendlerbus einer Supermarktkette aus der Steiermark kommt, seit dreißig Jahren. Aufstehen muss die „Schlüsselarbeitskraft“ um 04.15 h, dann versorgt sie Katze Flocke, um 05.00 h dreht sie das Regional-Radio ab, das die ganze Nacht läuft, „die haum wirklich guate Sochn“, sagt sie, „ohne Radio kaunn i net, do föhlt mir wos. Kennst Antenne Bayern? Hits der 80er? Unsere Hadern!“

An der B54 bei Dechantskirchen steigt sie um 05.10 h in den Bus, Arbeitsbeginn ist um 07.00 h, Arbeitsende um 19.00 h, eine Stunde Mittagspause, Vormittag und Nachmittag eine Viertelstunde Pause. Um 19.40 h geht’s wieder retour. Um 21.15 h steigt sie aus. Zehn Minuten später ist sie in ihrer Wohnung, in der sie mit ihrem Bernhard lebt, der aber gerade im Krankenhaus ist. Dann dreht sie das Radio auf.

Ihr Bernhard hat ein Mopedauto. Damit ging es schon nach Kroation, Südtirol oder nach Wangen im Allgäu zum Laientheater, das sie liebt. So wie den Fasching: Als „Krasimir und Florentina“ verkleideten sie sich schon, oder als „Oberkellner Rudolf und Sträfling Rudi“. „Du gehörst auf die Bühne!“, hört die begnadete Witzeerzählerin oft. Und früher, sagt sie, hatten sie so eine Gaudi im Bus und spielten Karten, und zu Silverster gab´s auch mal Sekt an einem Vierer-Tisch – „Na servas!“ „Aber du wirst müde und älter“, sagt sie. Und oft schläft sie dann auf der Heimfahrt im Pendlerbus ein.

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