Bibby

Bibby ist 50, es geht ihm so halbwegs. Er steht beinahe jeden Tag an meiner U3 Station und verkauft dort den Augustin, jeden Morgen begrüßt er dort unten freundlich meine Tochter, wenn sie in die Schule fährt, ein guter Beginn für einen oft beschwerlichen Tag. Beschwerlicher natürlich war Bibbys Leben: Er wurde in der Nigerianischen Hauptstadt Lagos als eines von acht Kindern geboren, genauer gesagt: in der zentral gelegenen „government aera“ Mushin, einer von insgesamt 16. „This is a rough district!”, lacht Bibby. “Rougher than Thaliastraße!“

Über Mushin stand vor einigen Monaten auf Nigeriannewsdirect zu lesen, dass die Regierung keine „ungenehmigten Bautätigkeiten“ mehr toleriere, und „kein Errichten von Shops auf Drainage-Wegen“. Von den Händlern werden oft Gelder kassiert, wegen deren Aufteilung es zu Kämpfen zwischen den Alamutu Boys and Akala Boys kam. Lagos ist ein chaotischer Riese, von dem Architekten wie Rem Koolhaas seit langem fasziniert sind.

Seine Eltern ermöglichten Bibby den Besuch der Schule und sogar der Universität, danach arbeitete er für eine Pharmfirma, aber: „You work, but you don’t get paid!“ Er sieht eine Zukunft für Afrika nur, „if corruption is wiped out!“

Weil das vor 15 Jahren längst nicht der Fall war (und auch heute nicht), zahlte er mehr 100.000 Nairas, um über Niger und durch die Sahara nach Libyen zu kommen. „Gadhaffi was still there“, die Folgergefängnisse von heute gab es noch nicht. Nachdem Bibby Platz auf einem Boot gefunden hatte, dauerte es vier Tage und vier lange, kalte Nächte auf dem Mittelmeer, bis er in Europa ankam.

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