Kurt

Kurti st 66, es geht ihm gut, er präsentiert seinen Verlag mit Schwerpunkt „Zeitgeschichte“ auf der Buch Wien. Darunter ein Buch mit „Mug Shots“ aus der K.u.k.-Monarchie, gefunden in den historischen Archiven der Landespolizeidirektion Wien, da waren ein paar schwere Pülcher darunter: Franz Schuda, Joseph Honsa (Einschleichdieb) oder Johann Prügl, dessen Treffen mit „dem heiratslustigen Diestmädchen Berta Böhm sich für dieses nicht als Glückstreffer erwies, in der Anschützgasse 7 hauchte sie ihr noch kaum begonnenes Leben aus“. Oder „Die Bande des Kassenschränkers Papacosta“. Oder Luigi Lucheni, der die Kaiserin Sisi abmurkste (und „sich später in der Dunkelzelle erhängte“) Es finden sich aber auch schwere Pülcherinnen wie „das Dienstmadl Franziska Navratil, das mit süßen 28 ihre Dienstherrin Johanna Natzler mit einem Messingmörser erschlug, sich ein wenig Geld mitnahm, sich darum Schmuck kaufte, damit zu ihrem Bruder fuhr, wo sie dann ohne erkennbare Gefühlsregung verhaftet wurde.“ Das war am 24. April 1905.

Kurti wuchs in Simmering auf, der Papa war Hackler, aber auch Leser: Zeitgeschichte, Biografien, alles. „Der hat mich immer raufgeschickt in die Bücherei, wo ich für mich selbst das Lesen entdeckt habe.“ Mit zehn, zwölf Jahren begann er, Doderer zu lesen, „der schreibt aber arge Sätze“, dachte er sich. Er wurde Industriekaufmann, was ihm zu fad war, und ging dann zum „Schmid Hansl“ in die Werbung, „das war eine schöne Zeit“. Das Steirerjopperl und der verkaufsfördernde „nachgemachte Zollamtsdirektorhut“ sind dem Werberblut geschuldet, das immer noch in ihm fließt.

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