Konstantin

Konstantin von Harder

Konstantin ist 66, es geht ihm bestens. Seit seiner Ankunft in Wien hat er jede Sekunde hier genossen. Ich traf ihn im Zug aus Richtung Aussee, wo er an der Schlaraffia-Versammlung eines dortigen „Reyches“ teilgenommen hat. Schlaraffia ist „eine weltweite Vereinigung von Männern, die der Pflege von Kunst, Freundschaft und Humor verpflichtet sind.“ Sie wurde 1815 von Schauspielern in Prag gegründet, ihr Leitspruch lautet „In arte voluptas“ – „In der Kunst liegt das Vergnügen“

„Im Endeffekt“, erklärt Konstantin mit strahlenden Augen, „macht man sich über sich selbst lustig und verwandelt sich für zwei Stunden in jemand ganz anderen. Dann geht man wieder in die normale Welt hinaus.“ Ein sehr guter Internatsfreund hat ihn erst vor kurzem dazu gebracht, er ist jetzt Knappe, als nächstes kann er Junker werden, dann Ritter, dann Ehrenritter.

„Es gibt Schlaraffen, die haben den Ehrgeiz, alle Reyche auf der Welt zu besuchen. Manche haben schon 400 geschafft, aber das ist mit wahnsinniger Reisetätigkeit verbunden.“ Konstantin selbst betreibt die Sache reduziert. „Ich will es gar nicht übertreiben. Und fünf Monate im Jahr ist sowieso Pause.“

Beruflich soll man jedenfalls keinen Nutzen aus seiner Mitgliedschaft ziehen. „Oft erfährt man ohnehin erst nach einiger Zeit, wer der andere wirklich ist. Vom Kfz-Mechaniker bis zum ehemaligen Hamburger Polizeipräsidenten“ ist alles dabei. Ein kleines Problem freilich hat die Vereinigung, nämlich den Nachwuchs: „Die meisten sind über 75.“ Er ist beinahe der Jüngste.

„Aufgrund der Vorleistung meines Vaters“ kann er Dinge machen, die ihm Vergnügen bereiten und nach Möglichkeit auch anderen nutzen. In München betreibt Konstantin eine kleine Buchhandlung mit dem Namen Lese und Lebe. „Ich sehe meine Aufgabe nicht nur darin, den Leuten ein Buch zu verkaufen. Jeder kann kommen und solange bleiben, wie er will, auch Obdachlose, auch Borderliner, alle.“

„Es gibt in Hamburg einen, der hat am Bahnhof ein Kiosk aufgemacht, nur um sich die Sorgen anderer Leute anzuhören.“ Das gefällt ihm, das passiert bei ihm auch. Einem Jungen, der mit elf Jahren zu ihm kam, hat er zusammen mit ehemaligen Schulkollegen ein Stipendium verschafft, er begleitet ihn seit vielen Jahren. Letzte Woche kamen ein Vater und dessen Sohn, „beide haben geweint, weil die Mutter gestorben und der Vater sterbenskrank ist. Der Vater weiß nicht mehr weiter, der Sohn fühlt sich allein gelassen auf der Welt. Da versuche ich zu helfen, ihm eine Stelle zu verschaffen….“

Die Freude am Leben, das Vergnügen an der Kunst, das Interesse an den Menschen sieht man Konstantin an. Er ist ein Gentleman und pflegt die guten Umgangsformen: „Dass man sich bei jemandem bedankt, dass man jemandem auch mal die Vorfahrt lässt – das sind doch Dinge, die einem selber gut tun!“

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