Helmut

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Helmut ist 78, es geht ihm gut. Ich treffe ihn beim Maiaufmarsch der Roten und sage: „Sie schauen ja aus wie der Häupl.“ Und er sagt: „Ja, aber der verdient mehr als ich.“ Helmut ist seit seinem 26. Lebensjahr bei der „Bewegung“ und besucht nach wie vor regelmäßig das Sektionslokal im 15. Bezirk. Ob das leinwand ist? „Sagen wir so: Irgendwie muss man ja in Kontakt bleiben. Aber man erlebt keine Sensationen.“

Er ist seit 13 Jahren in Pension. Ende der 80er-Jahre, Anfang der 90er lebte er mit seiner mittlerweile verstorbenen Gattin, einer Türkin, zunächst für ein Jahr in Istanbul, dann sind sie weiter gezogen nach Izmir, wo sie sieben Jahre lang lebten. Österreich-Türkei, wie fällt der Vergleich aus? „Interessanter war es in der Türkei, das Leben ist anders.“ Er hat dort fünf Jahre Deutsch unterrichtet, „damals war die Nachfrage groß, und denen war es wurscht, ob ich ein Diplom habe oder nicht.“ Er hatte keines. „Da war die Türkei ein anderes Land, viel lockerer. Die Verrückten waren damals noch nichts stark.“

Leider zahlte er dort keine Pensionsversicherungsbeiträge ein. „Ich bin also zurückgekommen, bin zum Arbeitsamt gegangen und habe denen gesagt: So jetzt bin ich wieder da und brauche eine Arbeit. Sagt die Betreuerin: Heahn’ S, Sie san ja gar nimmermehr vermittelbar. Sag i: Danke, freut mich sehr. Dann geben’S mir halt die Arbeitslose. Sagt sie: Da hätten Sie zwei Jahr früher zurückkommen müssen, dann hätten einen Anspruch darauf gehabt, den haben Sie jetzt nicht mehr. Sag ich: Ja super, was mach ich jetzt? Sagt sie: Zum Sozialamt müssen’S gehen. Na gut, hab ich sieben Monat vom Sozialamt gelebt.“ Dann hat er über einen alten Genossen endlich die Arbeit in der VHS Meidling gekriegt. Er hat dort technische Arbeiten ausgeführt, und in der Berufsschule hat er nebenbei unterrichtet.

Vermisst er die Gattin, die seit dreieinhalb Jahren tot ist? „Jo, aber wos soll ich machen? Mein Alltag ist mit Arbeit ausgefüllt, ich muss einen Haushalt führen.“ Sensationen erlebt er keine mehr.

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