Michael

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Michael ist 51, seine Frau Anita 36, Sohn Philipp 15, und Tochter Valerie sieben Jahre alt, es geht ihnen gut. Sie marschieren heute für die SPÖ-Vorfeldorganisation WAT Wien beim Maiaufmarsch mit, das ist ein Breitensportverein, in dem sie alle vier Geräteturnen ausüben. Michael beherrscht noch immer halbwegs den Oberamstand am Barren, Philipp beherrscht ihn bereits perfekt, „ja, er überflügelt mich schon“, sagt der Vater ohne Neid.

Philipps Lieblingssportgerät ist aber das kleine Trampolin, auf dem er den „gebückten Salto“ schlägt, jeden Freitag ist Training. Heuer wollen sie alle an den ASKÖ-Bundesmeisterschaften teilnehmen. „Burschen haben es dort immer leicht“, sagt der Vater, „denn es nehmen nur wenige teil.“ Wie kommt der Sohn als Geräteturner bei den Mädels an? Der schweigt, und der Vater lacht: „Die interessieren ihn noch nicht so.“

Michael ist Maschinenbauer, Anita ist als Krankenschwester stellvertretende Stationsleiterin im AKH. „Wir können uns Gott sei Dank alles leisten.“ Aufgewachsen ist er „klassisch in einem Gemeindebau im 10. Bezirk, aber durch den Sportverein bin ich immer schon im 15. verhaftet gewesen, hier wohnen wir auch.“ Sie führen zu Hause politische Diskussionen, auch mit den Kindern. Worum ging’s in letzter Zeit? „Jetzt merkt man, wo überall soziale Leistungen gestrichen werden!“, sagt Michael. Und ihn ärgert, dass das von der „Sozialistischen Partei“, wie er sie nennt, viel zu wenig publik gemacht wird, er würde es so machen: „He, Leute! Da schaut’s her einmal! Die Regierung fährt da rein und dort rein ohne Ende!“ Aber keiner regt sich auf, das versteht er nicht.

Was ärgert ihn noch? „Ich muss als Obmann vom WAT sehr viele Gesetze einhalten, vom Verbandsverantwortlichkeitsgesetz über die Bonpflicht bis zur Registrierkassenpflicht. Eigentlich war das alles einmal gedacht, um die Großen zu erwischen und Steuern einzutreiben, aber wen hat es erwischt? Uns kleine Vereine!“ Außer „natürlich die Kirche“, sagt er abschließend. „Die ist wieder einmal ausgenommen. Und die Freiwillige Feuerwehr auch.“ Wechseln will er deswegen aber nicht, weder zur Kirche, noch zur Feuerwehr.

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