Milli III

Milli ist 79, es geht ihr gut. Sie sitzt in der Küche unseres Hauses und schaut hinaus in den sonnigen Morgen, hinauf zum Warscheneck, es ist Sonntag und föhnig. „Erzähl von unserem Haus“, sage ich zu ihr.

„Na gut, unser Haus. Euer Vater ist ja immer beim Kraus drüben gesessen, im Wirtshaus, oder oben beim Islingbauer Sepp, beim Nachbarn. Wenn er mit der Milchkanne zu dem gekommen ist, ist der mit dem Mostkrug zu ihm gekommen, die zwei Narren … „

„Irgendwann hat er den Sepp dann gefragt, ob er nicht einen Baugrund für ihn hat. Baugrund hat er keinen gehabt, aber so einen Flecken Moor, feucht, nass, da hat er gesagt: Den kannst haben, da kannst dir dein Haus drauf bauen. Besoffen waren sie, gekostet hat der Grund fast nichts. Aber Euer Vater hat gewußt: Das wird schön.“

„Wir haben damals bei der Tante Frieda drüben gewohnt, am 26. Mai 1963 haben wir geheiratet, und am 7. Juni war schon der Bagger da. Dann hat er angefangen. Er hat ja im Lagerhaus gearbeitet, und von dort hat er alles mit herüber genommen, Ziegel um Ziegel. Aber ich hab mich ausgekannt, er nicht! Weil wir haben vorher bei uns oben im Singerskogel das Haus aufgstockt, und ich hab gewußt, wann bei der Türe oben der Tram hin kommt, er hätte ja immer weiter gebaut …. Und ich hab dann die Ziegel mit der Scheibtruhe hinauf gebracht, wie der erste Stock fertig war …“

Wann war das Haus dann fertig?

„Na, paß auf. 1964 ist dein Bruder geboren, und den zweiten Buam, hat er gesagt, will er, dass er im Haus geboren wird. Das warst dann du..“

„So lang habt ihr gebaut?“

„Was heißt so lang? So ein Haus ist ja nicht so schnell fertig….“

Ein Kommentar zu „Milli III

  1. Hallo Manfred! Hätte ich heute nicht in der U-Bahn die dort angehängte Zeitung „Vormagazin„ angesehen, wäre mir ein im Sommer vertrautes Gesicht von einem im weißen Unterleiberl fahrender Radfahrer nicht bekannt vorgekommen, wäre ich nun auch vor „einwenig“ Heimweh nicht auf Deine Seite gestoßen „hallowiegehts“! Die Berichte deiner Mutter sind Zeitzeugenberichte, von einer Zeit, in die wir uns ab den 60er Jahren geborenen nur annähernd hineinversetzen können. Auch der Norbi aus der DDR ist ein Hit, kenne ihn ja auch von meinen Gamswirtbesuchen. Schön, wenn Du ein Bücher vom Echo Medienhaus in dein Tascherl packst und ins Tal mitbringst, samt dem Autostoppper Stefan!
    Wollte eigentlich nur sagen, tolle Idee und jetzt meine Frage an Dich: „Hallo Manfred aus Rading beim Moosbaunteich und Wien verankerter Krimiautor, wie geht’s?“
    Liebe Grüße Eine aus dem Tal beim Pyhrgas und dem hohen Moosgierlerberg auf einer 12-tägiger Dienstreise in einer mir nicht so wirklich ans Herz wachsende Stadt Wien.
    Dir alles Gute, Erfolg und Zufriedenheit und wieder viele Schreibergüsse nach dem Frischlufttanken im Garstnertal

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