Milli VIII

Milli ist immer noch 79, heute geht es ihr gut. Gerade war ihr Bruder Herbert zu Besuch, sie haben von früher geredet, vom Krieg und der Zeit danach: „Was bei uns immer Leute geschlafen haben! Wir haben oft nicht mehr gewußt, wo wir sie hintun sollen. Die Frau Winklmayr aus Wien, die hat nur eine Tochter gehabt, der Mann war im Krieg, die hat in der Dirnenkammer geschlafen. Die Oswalds, das waren mehr Kinder, der Vater war auch im Krieg, die sind in der Knechtskammer untergekommen, da sind so vier Betten drin gestanden, ganz einfach. Alles haben wir vollgestopft, auch die Nähkammer und das Schusterzimmer vom Hermann Vetter, wir haben nicht mehr gewußt, wohin. Die Hawelkas auch aus Wien. Dann hat die Pepi Tant‘ ihre drei Buben zu uns gebracht, die hat in Ardning drüben gewohnt, aber ihr Mann hat auf einmal die Gemeindesekretärin gehabt, die hat auch nicht gewußt, wohin. Die Martha haben sie uns auch gebracht. Dann noch die Tagelöhner und Knechte. Gewaschen haben sie sich alle draußen beim Grander (Brunnen), es war primitiv, aber Hauptsache, sie sind gerettet worden und haben ein Obdach gehabt. Da sind richtige Freundschaften entstanden, mit dem Oswald Hansl in Wien bin ich heute noch in Kontakt.

In der Früh waren alle in der Stube, und die Mami hat sie alle verköstigt. Ich weiß nicht, wie sie das gemacht hat, wir haben eh selbst nichts gehabt, aber sie hat immer mit einem bisserl was was Großes gezaubert. Und sie ist selbst mit dem Pflug gefahren, diese steilen Leitn (Hänge), kaum waren Erdäpfel heraussen, hat sie neue eigelegt. Erdäpfel hat es immer gegeben. Und Äpfel. Wuchteln gab es und Krapfen, Brot hat sie immer gebacken, Butter haben wir Kinder geschleudert. Das Butter schleudern, das war so stark, da sind einem die Hände abgefallen. „Butter schleudern! Wer tut´s?“, hat die Mami gerufen, und wir Kinder haben es getan. Es war schön.


Immer sind Männer gekommen, die nichts gehabt haben und die die Mami wollten. Der Dati war ja im Krieg, vom Anfang bis zum Schluss. Die haben spekuliert, dass er nicht mehr heimkommt, die wollten die Mami haben. Sie hat sie alle weggejagt, sie war … ich weiß nicht, sie war so sicher. Sie hat keine Angst gehabt, hat viel gebetet. Einmal war einer so böse auf sie, weil sie ihn weggejagt hat, dass er ihr die Mostfässer unten im Keller ausgelassen hat, der ganze Keller ist geschwommen. Den Most, den hätte sie verkaufen können, ein bisserl ein Geld hätte sie gekriegt.“

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