Johannes

Johannes ist 31, es geht ihm eher schlecht: „Die ganze Corona-Sache … ich meine … Lockdown … kein Lockdown … Lockdown.“ Der gebürtige Oberösterreicher arbeitet in der Kinderbetreuung mit Sechs- bis Zehnjährigen – oder auch nicht, wenn gerade wieder Lockdown ist.

An diesem Abend sehe ich ihn im Märzpark vor der Wiener Stadthalle, wo er auf einer asphaltierten Fläche seilspringt. „Zehn Minuten seilspringen ist intensiver als vierzig Minuten laufen“, erklärt er mir. Es geht um Herz-Kreislauf, Schnelligkeit und Koordination. Darum machen es auch die Boxer.

Johannes springt sich immer zehn Minuten warm, dann beginnt er abwechselnd mit schnellen Einheiten und Pausen, manchmal springt er auch mit Gewichten. Das Ziel wäre, immer schneller zu werden. „Nur rückwärts springen kann ich nicht so gut“, lacht er.

Leider hat er heute eine neue Schnur dabei, mit der er insgesamt nicht so gut klarkommt, sie ist ein paar Zentimeter zu kurz und aus Plastik. Springschnüre werden nicht mehr stark nachgefragt, darum fand er sie erst im dritten Geschäft, in dem er nach einer suchte. Er wird und muss der neuen aber noch eine Chance geben, nachdem er bereits ein paar andere kaputtgesprungen hat.

Zu Hause in der Wohnung kann er nicht springen: die fehlende Raumhöhe, die Nachbarn unten, die störenden Möbel. „Du kannst auch nicht Basketball in der U-Bahn spielen“, erklärt er. In den Park aber kommt er ohnehin gerne, er mag die ruhige Atmosphäre. Wer will, kann hier abends dem leisen Zischen seiner Schnur in der warmen Luft zuhören.

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