Roman

Roman ist 18, es geht ihm nicht gut. Der in Wien lebende Zivildiener trifft sich am 19. Februar mit seiner Mutter vor dem Museumsquartier, um mit Landsleuten für #StandWithUkraine zu werben, während 1000 Kilometer weiter östlich in Kiew seine Verwandten aus Angst nicht mehr auf die Straße gehen.

Kiew ist am Fluss Dnepr gelegen, in der Nestorchronik wird die Geschichte der Rus erzählt, eines Volkes, das zwischen dem achten und elften Jahrhundert die Flüsse eines gleichnamigen historischen Gebietes befuhr. Der erste Staat dort war die Kiewer Rus, Kiew selbst wird in der Chronik als „Mutter aller russischen Städte“ bezeichnet. Das ist ein knappes Jahrtausend her, und die Ukraine ist nach dem Zerfall der Sowjetunion seit 1991 ein unabhängiger Staat.

„Wir telefonieren ständig. Die Menschen setzen ihre Kinder in Flugzeuge und Züge, um sie in den Westen zu bringen“, sagt Roman. „Meine Großeltern sind sehr gestresst. Sie gehen ins Bett und denken: Was erwartet uns? Wie werden wir aufwachen? Mitten in der Nacht durch russische Bomben oder morgens durch den Wecker?“ Auch seine Tante ist mit ihrem Sohn bereits nach Wien geflohen. Umgekehrt kommen Freunde aus Russland zurück nach Kiew: „Einer war erfolgreicher Geschäftsmann, aber sie haben ihm alles genommen.“

Die Ukrainer hier verstehen nicht, worüber westliche Politiker immer noch mit Putin „reden“. „Irgendwann muss man die Frage beantworten, ob die Menschen in einem freien Land wichtiger sind oder Gaslieferungen für das eigene Land.“ Der Westen kommt ihnen ausschließlich von eigener Profitgier getrieben vor, lächerlich und schwach. Und es ist traurig, ihnen nicht widersprechen zu können.

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