Rebel Lee

Rebel Lee ist 46, es geht ihr nicht gut, als ich sie am Wiener Stephansplatz anlässlich einer Kundgebung für die Ukraine treffe, einen Tag nach dem Überfall Putins auf das Land ein paar Hundert Kilometer östlich unserer Grenze. Rebel Lee war Teil der Demokratiebewegung in Hongkong, bis sie Ende letzen Jahres die Stadt Richtung Europa verlassen musste. Mit der letzte Ausgabe der „Apple Daily“ im Koffer, einer pro-demokratischen Zeitung des Herausgebers Jimmy Lai, die nach zahlreichen Verhaftungen geschlossen werden musste. Sie ist entsetzt, dass nach der Niederschlagung der Demokratiebewegung, die sie in Hongkong erleben musste, nun auch ein freies Europäisches Land einem Tyrannen unterworfen werden soll.

„Es ist traurig und frustrierend, ich kann die Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit der Menschen dort nachvollziehen, ich bewundere ihren Tapferkeit und ihren Mut, mit dem sie sich gegen den Aggressor wenden. Die Tyrannen unterschätzen immer den Willen und die Kraft des Volkes, das entschlossen ist, seine Freiheit zu verteidigen.“  Wien mag sie sehr gerne, Kultur und Geschichte beeindrucken sie. Österreich ist in ihren Augen ein vollkommen freies Land, über gegenteilige Behauptungen bei örtlichen Corona-Demonstrationen muss sie lachen.

Wenn der Volkskongress der Kommunistischen Partei Chinas eines Tages fallen wird, träumt sie, „then of course I will be back“.  Bis dahin wird sie lernen, Apfelstrudel zu machen.  Manchmal lädt sie sich in das Haus von Fremden ein und nimmt Essen ihrer Heimat mit, dann bitte sie um Essen der Gastgeber. Manchmal ist es ein warmer Apfelstrudel, der einen in diesen kalten Tagen trösten kann.

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