Caroline

Caroline, 41

Caroline ist 41, es geht ihr hervorragend. Sie sitzt an diesem sonnigen Tag in der Allee gegenüber meinem Büro auf einer Bank. Mir fallen ihre rosa Brillen auf, die rosa Jacke und ihre bunten Schuhe. Sie hat sich gerade ein Stoff-Einhorn gekauft, in Weiß und Pink, es ist 40 cm hoch. Einhörner sind ihre Leidenschaft (neben der Farbe Rosa!). Darum heißt die 3. Klasse Volksschule, in der sie unterrichtet, auch „die Einhornklasse“. Mehr als 30 Gadgets hat sie bereits gesammelt. „Der Tag beginnt einfach besser, wenn ich meinen Einhorn-Zahnputzbecher verwende“. Ob sie glaubt, dass es Einhörern wirklich gibt? Sie lacht: „Natürlich glaube ich das nicht!“

Vor drei Jahren hatte Caroline eine schwere Operation, von der ihr eine große Narbe blieb. Darum war sie vorher im Louis Braille Haus in der Hägelingasse im 14. Bezirk, um sich die Narbe im Blindeninstitut massieren und akupunktieren zu lassen. Sie schwört, dass es ihr nun besser geht und „die Meridiane“ besser durchblutet sind. „Ich glaube, die Blinden haben viel mehr Gefühl beim Massieren!“

Das mit dem Unterrichten sei schwieriger geworden, erzählt sie. Nicht wegen der Kinder, sondern wegen der Eltern, die immer mehr fordern würden. Nächstes Jahr hat sie wieder eine vierte Klasse, dann wird der Stress wegen dem Gymnasium wieder losgehen. Eine eigene Familie hat Caroline nicht. „Es gibt genug Kinder in der Schule, die mich brauchen.“ Einige Hundert von ihnen hat sie schon ins Leben begleitet. Nun packt sie ihr Einhorn zusammen und geht lachend davon.

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