Gottfried

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Gottfried „wird bald 60“, er ist „in gespannter Erwartung“, könnte man sagen: Vorm Kulturcafé steht er in der Sonne und hofft auf den Postler, 8.45 Uhr an einem Freitag. „Ein Freund von mir hat gesagt, er schickt mir eine Stange Zigaretten“. Als der Postler kommt, hat er die Stange schon in der Hand, JPs aus der Slowakei. Einen Zehner hat er ihm auch dazu gelegt, der Tag fängt gut an.

Davon sollen auch andere profitieren. Mit den zwei Euros, die ich ihm gebe, ruft er von der Telefonzelle aus einen Freund im 10. Bezirk an, der auch schon dringend auf Zigaretten wartet. Dem wird er zwei Packerl davon abgeben, „man hilft sich halt, wenn man kann.“

Gottfried wohnt drüben im Gemeindebau neben der Kirche, kostet 400 Euro Miete, bleiben knapp über 400 Euro von der Mindestsicherung zum Leben. Das kann eng werden mit den Tschick, er raucht zwei Packerl am Tag, „wenn es sich ausgeht!“ Oft geht es sich nicht aus.

Er hat Konditor gelernt, sein letzter Job war aber bei der Post drüben am Westbahnhof als Packerlschupfer. Als die zusperrte, schickten sie ihn in Frühpension. Nun geht er tagsüber spazieren, und abends sitzt er im Café Beograd nahe dem Wiener Westbahnhof, „dort haben sie eine Jukebox“. Oder im Pub bei uns um die Ecke, aber das sperrt erst morgen wieder auf.

Früher spielte Gottfried für Waidhofen a. d. Thaya in der Landesliga Fußball, zentrales Mittelfeld, klassischer „Sechser“. In der Jugendmannschaft war er sogar Torschützenkönig. Dort oben wohnt noch der Freund, der ihm die Zigaretten schickt.

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