Andreas

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Andreas ist 34, es geht ihm gut. Der Vermessungstechniker im Dienste der Wiener Wasserwerke steht vor meiner Türe auf einem „Wasserschieber“ und hält ein „360°-Prisma“ in der Hand. Fünfzig Meter weiter steht ein „Tachymeter“, den er mit einem Joystick bewegen kann. Der schickt einen Laser zu seinem Spiegel, der Laser geht wieder zurück, und so misst er das Gefälle, damit das Wasser nicht in die falsche Richtung fließt, sowie „einen vertikalen Winkel, einen horizontalen Winkel und eine schiefe Seite.“  Was ist eine „schiefe Seite“? Andreas erklärt er so: „Man soll zum Beispiel auch nicht über eine Distanz von eineinhalb Kilometern einen Punkt messen, weil die Erde ja eine Krümmung hat.“ Und so so treffen sich Spiegel und Tachymeter auch nicht genau in der Horizontale, was aber notwendig wäre, um genaue Pläne zu zeichnen, sondern eben „schief“.

Die Daten kriegen dann die Wasserwerke, die tragen sie in ihre Pläne ein, „damit sie wissen, ob sie darunter oder darüber graben müssen, wenn sie in zwei Jahren eine Leitung quer machen.“ Jeder kann die Daten im Internet abrufen, man sieht dort die Hausfront, den Gehsteig, die Kanaldeckel, die Wasserschieber, die Gasschieber….

Vermessungstechniker ist ein Lehrberuf. Andreas war 2002 im Österreichweit ersten Jahrgang, davor besuchte man Kurse beim WIFI. Die Berufsschule ist in drüben in Kagran beim Donauzentrum, eine zweite gibt es noch in Graz. In seiner Klasse waren sie zehn oder elf Absolventen, „es gibt nicht viele. Wir suchen für Wien noch zwei, und das Büro in Graz sucht auch drei, aber keine Chance.“ Ist der Job so schwer? „Im Aussendienst kann ich Ihnen alles in einer Stunde erklären. Aber so zu messen, dass man die Daten im Büro auch zeichnen und berechnen kann, das wird schon etwas kompliziert….“ Für die nächsten fünf Jahre ist er aber mit Grossauträgen von Wiener Wasser und Telekom gut ausgebucht.

Wie ist es im Winter? „Manchmal helfen drei paar Socken nichts.“ Am härtesten wäre es, wenn er den ganzen Tag alleine ein Haus oder ein Grundstück vermessen muss. Er hat nämlich keinen Partner mehr, der auf der anderen Seite beim Tachymeter steht, darum ist es manchmal ein bisserl fad. „Dann redet man halt mit den Bauarbeitern“, wenn welche da sind.

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