Wilhelmine

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Wilhelmine ist 76, es geht ihr „wieder halbwegs“. Gerade kommt sie aus dem Krankenhaus, wo sie sich ihre Hand operieren ließ, „auf einmal sind die Finger immer so zusammengegangen, wie zu einer Faust. Und jetzt fühlt sich die Hand so kalt an“. Sie trägt einen warmen Fäustling und sitzt im Zug neben einer Lästigen mit vier Taschen, die ständig „Ei ei ei ei ei!“ sagt und „Des woaß i eh söba a, dass i jetzt aussteigen muass!“

Wilhelmine ist auf dem Weg in ihr Ferienhäuschen in den Bergen, seit 12 Jahren ist sie Witwe. Sie selbst saß damals auf der Rückbank des Pick-ups samt Anhänger, mit dem ihr Mann, damals 80, auf der Autobahn nahe des Ferienhauses verunglückt ist: „Er fuhr hinter einem Lastwagen her, vor einem Tunnel wollte er ihn überholen, weil er im Tunell nicht hinter seinen Abgasen herfahren wollte. Er ist ausgeschert, und – ich sehe alles wie heute – der Anhänger hat sich in den Lastwagen verhakt. Dann sind wir auf die Leitplanke geprallt, da ist die Windschutzscheibe gebrochen, und dann sind wir wieder zurück gegen den Lastwagen, da hat es ihn zu mir nach hinten geschleudert – Genickbruch. Schrecklich.“

Sie selbst hat seit dem Unfall einen Tinnitus und erlitt schwerste Gesichtsverletzungen, weshalb sie nicht möchte, dass ich sie fotografiere. Die meiste Zeit des Jahres verbringt sie in Griechenland, wo der Sohn vor 30 Jahren ein schönes Grundstück gekauft hat mit nun vier Häusern drauf. Zuvor freut sie sich auf „Weiße Weihnachten“, aber soviel die Lästige vorher wußte, sieht es nicht danach aus.

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