Sonja

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Sonja ist 76, es geht ihr gut. Sie kommt mit ihrem Rollater die Ringstraße herunter in Richtung Rathaus, es ist 1. Mai, vorne findet die Veranstaltung der SPÖ statt. Sie ist fast ein bisserl beleidigt, als ich sie frage, ob sie zu den Sozis geht. „Zu den Kommunisten!“, antwortet sie überzeugt. Ständig kommen Genossen bei ihr vorbei, begrüßen sie, herzen sie, drücken sie.

Sonja ist die Tochter zweier Widerstandskämpfer gegen das Nazi Regime, in deren Geiste und Tradition sie erzogen wurde. Sich mal dagegen aufzulehnen, z.B. als Teenager, kam für sie nicht infrage. Die Eltern zogen nach dem Krieg nach Vöcklabruck in Oberösterreich, wo sie in „den Sozialbauten“ aufwuchs und der „Liebling der Amerikaner war“, die damals dort Besatzungsmacht waren: Schokolade, Zuckerl, Obst … Sie erinnert sich mit Freude.

Seit sie sich erinnern kann, trug sie jeden Tag eine rote Mütze. Es ist die insgesamt vierte, die sie sich gekauft hat, und sie ist fest entschlossen, sie auch nächstes Jahr wieder zu tragen. Wird alles gut ausgehen?, frage ich sie. „Ja“, sagt sie wieder mit großer Überzeugung. „Die Leute werden sich besinnen. Aber Ihr müsst das machen, Ihr Jungen. Wir können Euch nicht alles zum Arsch tragen.“

Freundschaft!

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