Karl

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Karl ist 90, es geht ihm „eh halbwegs“. Ich frage ihn: „Wie bleibt man so rüstig?“ „Naja, rüstig…“, lacht er. „Wenig Alkohol?“ „Naja, Säufer war ich keiner“. Er wohnt drüben Nahe dem Kriemhildplatz und kommt jeden Tag an meinem Büro vorbei auf seinem Weg hinauf zum Ingrid Leodolter Haus, wo seine Frau Leopoldine seit zwei Jahren lebt. Nach dem Essen, das er über 45 Jahre lang oft im Gasthaus Mader eingenommen hat, geht er zu ihr.

Vor ein paar Tagen feierteten er und seine Leopoldine 63. Hochzeitstag, am 23. Juni 1956 haben sie in einer Kirche im 20. Bezirk, deren Namen ihm nicht mehr einfällt, geheiratet. In den Krieg musste er noch „mit dem letzten Aufgebot“ einrücken, „Gott sei Dank bin ich heil zurück gekommen.“

Seine Leopoldine wird nächsten Februar 90, sie sitzt im Rollstuhl. „Leider.“ Wenn es möglich ist, geht er nachmittags ein bisschen mit ihr raus. Könnte sie noch gehen, würde er sich mehr auf den Sommer freuen, ohne sie in der Wohnung sind die Tage zäh. „Es ist eine gewisse Leere.“ Immerhin soll es nun abkühlen, und der Weg hinauf zum Heim wird dann nicht mehr so beschwerlich. „Naja, wer´s glaubt“, lacht er. „Ich glaub´s nicht.“

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