Christine

Christine ist 75, es geht ihr gut. Sie kam nach dem Krieg als Zweijährige aus dem Sudentland nach Wien-Favoriten, ihr Vater war bereits da, denn er war Wiener. Sie besuchte dort die Volksschule, dann die Untermittelschule in der Nähe vom Amalienbad. 1962 maturierte sie an der Handelsakademie am Hamerlingsplatz in der Josefstadt. „Damals waren Burschen und Mädchen noch streng getrennt, Mädchen Schönborngasse, Burschen Hamerlingsplatz. Der Chemie- und Physiksaal zum Beispiel war oben, da haben wir müssen immer auf den Professor warten, weil wir nicht alleine durch den Burschentrakt durften!“ Die Direktorin verbot den Mädchen sogar das Tragen von Hosen. „Also, ich war nie in einem Kloster, aber ich glaub’, das war bei uns ärger“, lacht sie.

Danach begann sie in der CA-Zentrale beim Schottentor zu arbeiten, „Auslandsabteilung“. Dort kam sie „in ein Büro mit sechs Leuten oder so was, in dem alle rauchten. Vor lauter Rauch hab ich die Leute kaum gesehen, und gestunken hat es!“ Umso mehr genoss sie ihre Urlaube in Mexiko und Kalifornien, Griechenlandfan war sie Zeit ihres Lebens.

Mit 30 begann sie dann selbst noch zu rauchen, zunächst „die dünnen, langen EVEs, nicht ganz ein Packerl am Tag“, nun raucht sie Chesterfield. „Aber ich paffe mehr, als dass ich rauche. Jetzt in der Coronazeit allerdings mehr als früher“, lacht sie wieder. Obwohl sie schon öfter bei Ärzten war, hat der kinderlos Geschiedenen noch keiner gesagt, dass sie aufhören soll. Also zündet sie sich eine an und genießt die Sonne.

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