Milli VI

Milli ist immer noch 79, heute geht es ihr gut. Warum? Sie hat zuvor lange über den Namen ihrer Zitherlehrerin nachgedacht, gerade vorhin ist er ihr endlich eingefallen, kleine Freuden des Alltags: „Das war die Frau Reifmüller, die Reifmüllerin, die hat da von Spital hinauf Richtung Pyhrnpass gewohnt, vorm Friedhof, gleich neben der Straße.“ Jeden Sonntag kamen sie als Kinder zu Fuß von ihrem Bauernhof in Oberweng herunter nach Spital am Pyhrn in die Kirche, die ganze Familie, „Frühmesse um 7“. Ob sie da nicht um 5 haben weggehen müssen?, frage ich. „Na, wir sind ja schnell gegangen!“, lacht sie.

Nach der Messe besuchten sie dann eben den Zitherunterricht bei der Frau Holzmüller, Milli selbst, ihre Schwester Maria, und die „Rana Frieda“ vom „Oberrana“, jenem Bauernhof, der unter ihrem lag. Unter dem „Oberrana“ gab es dann noch den „Unterrana“. Die Maria hatte eine alte Zither, „die war wunderbar, das war ein herrlicher Klang“. Wahrsccheinlich war es die von ihrem Vater, unserem Opa, der auch sehr gut gespielt hat, aber aus dem Krieg mit einem zerschossen Arm nach Hause kam und dann nicht mehr spielen konnte. Darum bezahlte er vom karken Einkommen den Unterricht für seine Mädchen, „ein paar Schilling wahrscheinlich, es war nicht viel“. Hauptsache, er hörte den Klang seiner geliebten Zither in der Stube.

Milli selbst spielte mit einer neuen die nicht so gut war wie die von Maria. Gemeinsam spielten sie dann oft im Gasthaus Kemmetmüller, wo sie nach der Schule Köchin lernte. Vor zwanzing Jahren oder so holte sie die Zither noch einmal vom Dachboden und spielte uns zu Weihnachten etwas vor (irgenwas mit Käfer – Käferwalzer? Käferpolka?). Es war nicht mehr wie früher, danach griff sie die Zither nie wieder an. Wo sie heute ist, weiß sie nicht. „Es war eine schöne Zeit“, sagt sie.

Ein Kommentar zu „Milli VI

  1. Hallöchen!
    Ich kann mich noch erinnern an früher, als meine Schwester Zither spielte.
    Vor einigen Jahren waren wir in einem Pensionistenwohnhaus.Es war ein Tag der offenen Tür, und eine ältere Frau spielte den Besuchern und den Mitbewohnern auf dieser Zither etwas vor.
    Vor kurzem kam ich dann drauf, daß dieses Instrument eines von zwei Instrumenten ist, daß zum
    „Immateriellen Kulturerbe Österreichs gehört. Das hat mich überrascht. Das zweite Instrument ist die Maultrommel. Das hat mich auch überrascht.
    Ich bin jetzt 69 und sammle solche Sachen für ein Gedächtnistraining Spiel zusammen.

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