Andrea

Andrea ist 55, es geht ihr gut. Ich sehe die gebürtige Eferdingerin am Wiener Graben mit ihrer Staffelei und ihren Farben stehen, den Blick ausgerichtet auf das Haus Ecke Spiegelgasse, in dem einst der K. u. K. Herrenausstatter E. Braun & Co. untergebracht war, bevor Palmers und H&M … same old story. Unter dem verglasten Atelierdach auf Otto Wagners Ankerhaus daneben malte einst Hunderwasser seine Schinken.

Am ersten sonnigen Apriltag nach dem Katastrophenwetter hat Andrea ein Bild, das sie vor 15 Jahren begonnen hatte zu malen, eingepackt und hierhergebracht. „Es ist immer so schief und verwackelt in der Gegend herum gestanden, jetzt hab ich mir gedacht: Verwackelt darf es eh sein, aber es war mir zu flach, jetzt hat es mehr Tiefe.“ Auf dem Bild sieht man, wie das Haus vor 15 Jahren ausgesehen hat: Die Fassade war noch viel bunter, nur eine STRABAG Absperrung stand auch damals schon in der Gegend herum. Fertig wird das Bild auch heute nicht werden, „ich komm sicher noch drei Mal her, und wenn ich es nicht verkaufe, dann geh ich in fünf Jahren noch einmal drüber.“ Wobei: „Heuer habe ich das erste Mal in meinem Leben ein Bild begonnen und in einer Woche fertig gemalt.“ Da hat sie ein bisserl gefroren, „aber der Baum hinter der Altlerchenfelderkirche blühte so schön!“

Gerne packt sie auch alles zusammen und reist zum Malen nach Brooklyn, ein Atelier dort wäre ihr Traum. Sie wird es sich leisten können, wenn sie ihr Bild jetzt wegen mir um ein paar Millionen verkauft, und dann bekomme ich ihr nächstes. „Versprochen?“ „Versprochen!“

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