Elisabeth

Elisabeth ist 61, es geht ihr super. „Weil ich in Pension bin, das ist toll!“ Früher hat sie als Fremdenführerin hauptsächlich in Wien gearbeitet, „man macht aber auch Fahrten woanders hin, dann ist man allerdings Reiseleiterin.“ Der Unterschied? „FremdenführerInnen sind teurer!“

„Der Job war uranstrengend!“, sagt Elisabeth. „Ich habe danach wirklich keine Touristen mehr sehen können. Bei bestimmten Spaziergängen wußte ich nämlich: Wenn ich da ums Eck biege, und hinter mir läuft sagen wir eine deutsche Gruppe, dann sagt GARANTIERT eine Deutsche: Da hättn ma jetzt aber alleine nicht hergefunden! Jedes Mal! An derselben Stelle! Über Jahre! Irgendwann hälst du das nicht mehr aus!“

Fähnchen und Schirm hielt Elisabeth ebenfalls nie in die Höhe, darum hörte sie Sätze wie: Ach wissen Sie, als wir in Marokko waren, da hatte unsere Reiseleiterin einen grünen Schirm! Menschen in Gruppen von 50, ist eine ihrer Erfahrungen, würden gebündelt die Eigenheiten einer ganzen Nation hervorbringen: „Wenn ich Deutsche vor der Pestsäule stehen lasse, dann stehen die nach einer halben Stunde immer noch dort. Die Italiener muss ich im halben Ersten Bezirk suchen!“

Was anderes: Am Freitag, 1. Mai 1981, zog Elisabeth in den 15. Bezirk. Am Sonntag, dem 3. Mai, stand die Stapo vor ihrer Türe, zwei Typen in Trenchcoat und Hut. In dem Haus, aus dem sie ausgezogen war, fand nämlich die Waffenübergabe für den Mord an Stadtrat Heinz Nittel statt. Einzig positiver Nebeneffekt dieses ersten Mordes der Gruppe Abu Nidal: Es wurde die Band „The Dead Nittels“ gegründet. „Und die war gar nicht schlecht!“

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