Fausto

Fausto ist 57, es geht ihm gut. Der pensionierte Junggeselle war früher als Chemiker bei der italienischen Weltfirma Zanussi in Pordenone angestellt, bekannt für „Weißwaren und Haushaltsgeräte“. Seit Jahrzehnten freilich gehört Zanussi einem schwedischen Konzern, der die Italiener für den Billigsektor produzieren lässt. Etwas, das Pier Paolo Pasolini, dem Künstler, Katholiken und Kommunisten, sicher nicht gefallen hätte.

Am Friedhof von Casarsa della Delizia zeigt mir Fausto dessen Grab, der Baum darauf symbolisiere eine Krone, weiß er, die Stele davor im Kies verweise auf ihn als Schriftsteller. Nach wie vor kämen Menschen aus aller Welt hierher, um des berühmtesten Sohnes der kleinen norditalienischen Stadt, der 1975 in Rom ermordet wurde, zu gedenken. Aber auch seiner Eltern Carlo und Susanna, die eine geborene Colussi war.

Colussi, erzählt mir Fausto, als wir gemeinsam zurück in die Stadt gehen, wäre hier der dominierende Familienname, es gäbe so viele, dass man immer deren jeweilige Tätigkeit vor den Namen setze, um sie zu unterscheiden: Der „Hosen-Colussi“, der „Installateur-Colussi“ usw. Auch das Café, in das er mich auf einen Doppio einlädt, gehört einem Colussi, es liegt gegenüber dem Haus von Pasolinis Großeltern, das heute ein Museum ist und wo er als Kind viele Sommer verbrachte. Bei diesem Haus, erzählt mir Fausto, hätte er als Fünfjähriger den Filmemacher gesehen, er war 1969 mit Maria Callas während der Dreharbeiten zu Medea, die weiter östlich in Grado stattfanden, in Casarsa zu Besuch gewesen. Ein Erlebnis, das Fausto bis heute bewegt.

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