Rosa

Rosa ist 14, auch sie weiß gerade nicht, wie es ihr eigentlich geht: „Online schooling, Social-Distancing, Covid-19, das sind alles so emotionslose Begriffe, dabei steckt so vieles hinter ihnen – es gibt unzählige Veränderungen und Herausforderungen, die Corona mit sich bringt. Wie das ganze für mich ist? Um ehrlich zu sein, ich weiß es gar nicht genau, unterschiedlich würde ich sagen: Wenn ich den Stapel von Arbeitsaufträgen sehe, nachdem ich die 5. Onlinestunde des Tages beendet habe, dann bin ich frustriert und es macht mich wütend, in dieser Situation zu sein. Doch der nächste Tag verläuft dann wieder komplett anders, ich habe nicht viel zu tun, finde Zeit für Aktivitäten, die ich während dem ,’normalen‘ Schulalltag nie unterbringen könnte und die Welt sieht schon wieder ganz anders aus.

Ob ich Angst habe? Nicht direkt, aber natürlich gibt es Momente, in denen ich mir einfach wünschedie Zeit zurückzudrehen und All dem für einen Augenblick zu entkommen. Am meisten vermisse ich es, meine Freunde und Familie zu treffen! Natürlich halten wir über FaceTime, WhatsApp und Co. Kontakt, aber das Zusammenkommen im ‚echten Leben‘, kann durch diese Medien meiner Meinung nach nicht ersetzt werden. Ich finde es ist wichtig, trotz Allem, irgendetwas zu finden, auf das man sich freuen kann. In meinemFall ist das Weihnachten, das wird Heuer zwar für die meisten auch nicht so ablaufen wie sonst, trotzdem freue ich mich auf die Ferien und die Zeit mit meiner Familie. Ich bin zuversichtlich, dass alles ein gutes Ende haben wird und wir in nicht allzu ferner Zukunft wieder zu unserem Alltag zurückkehren können.“

Indya

Indya ist 14, wie es ihr geht? Sie weiß es gerade nicht so genau. „Erst wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, realisiere ich, wie durchgeknallt dieses Jahr ist und wie mich diese Situation belastet. Man macht halt mit…klar, muss man ja… Ich vermisse den Alltag vor Corona, als ich mich fast täglich mit Freund*innen nach der Schule getroffen hab‘, wir in der Straßenbahn essend und trinkend, das Gefühl der Freiheit, das Leben ohne Einschränkungen. Zwar fand ich anfangs distant learning geil, weil man oft ausschlafen konnte, in der Jogginhose den ganzen Tag, im Bett mit dem Laptop dem Unterricht folgen, Schummeln war ur-leicht , ich hab‘ mir den Tag selber einteilen können.

Aber der zweite Lockdown ist nicht mehr so cool: 6 Stunden fast ohne Pause vor dem Laptop, mit den Lehrer*innen in endlosen Calls, neuer Stoff via Screen, die Motivation ist einfach dahin. Meine Schulaufgaben häufen sich enorm und es macht mich verrückt. Ich würd‘ wahnsinnig gerne wieder in die Schule gehen können. Mindestens 1 Mal pro Woche treff‘ ich mich mit meiner besten Freundin, ist ja auch erlaubt. Wir gehen auf die Steinhofgründe, kaufen im Supermarkt Snacks und Getränke ein. Man merkt jetzt erst, wie wichtig Freiheit und Selbstbestimmtheit ist, weil sie einem weggenommen wurde. Ich hab auch immer ein Schuldgefühl dabei, weil man ja eigentlich gar niemanden treffen sollte. Ich denke schon, dass jeder etwas verändert sein wird danach.

Werden wir uns je wieder umarmen und küssen zur Begrüßung? Manche werden noch weniger sozial kompetent sein danach – vermutlich jeder ein bisschen traumatisiert – nicht vom Virus selbst, den seh‘ ich nicht, den spür ich nicht – kenne ja kaum jemanden, der es bis jetzt hatte – aber von dieser Situation des Eingesperrtseins, der limitierten Möglichkeiten. Auf Weihnachten freu‘ ich mich trotzdem, meine Mutter schafft das schon uns in die richtige Stimmung zu bringen 😊 Corona sucks…“

Christopher

Christopher ist 17, es geht ihm „gerade nicht so pico bello“, wie er mir während eines Videocalls auf Oberösterreichisch mit amerikanischem Akzent erzählt. Er lebt mit seiner Mutter in San Francisco im Richmond District in der nordwestlichen Ecke der Stadt, einen Block nördlich des Golden Gate Parks. „Diese Homeschooling ist a voll Schwachsinn“, erzählt er mir, „one Teacher is voll die Nazikuh, die wiederkäut, dass Scheiss Trump die Wahl gewonnen hat. Fuck her!“

Christopher liebt die Österreichische Kultur („Ich mag Stiegl, Gösser, Zipfer supa gern“) und „I mog a den Bundeskanzler von eich, den feschn Sebastian, so fesch is da Sebastian“, sagt er. Außerdem ist er Amerikas Nummer eins Fan des Trash Autors Manfred Rebhandl, der sein Onkel, Godfather und Idol ist, wobei er die Lektüre der Bücher um den traurigen Landgendarmen Biermösel jenen um den sich ständig am Sack kratzenden Privatdetektiven Rock Rockenschraub, den er Rocky nennt, vorzieht. „Fuck you, Christopher!“, muss ich ihm sagen. „Never call him Rocky!“

Obwohl der crazy Guy von seinem Onkel zum Geburtstag einen original Vintage Burberry Anzug geschenkt bekommen hat mit 2 original YSL Vintage Krawatten dazu, trägt er Tag und Nacht seine verrückte Big Lebowski-Weste, auch im Sommer. Dass er eine Friese wie Voodoo Jürgens hat, muss ich ihm während des Videocalls auch sagen, aber natürlich weiß er nicht, wer das ist. Ansonsten ist er durch und durch amerikanischer Patriot und hofft, dass Corona bald vorbei sein wird und er bald wieder in die High School gehen kann, die er aber eigentlich gar nicht mag. „Lieber spiele ich E-Gitarre und nicht lerne ich fur die Scheiss Schularbeit!“, sagt er mit Nachdruck, wobei er natürlich weiß, dass ihm nichts anderes übrig bleiben wird. Er hat seinen Nietzsche bereits gelesen und weiß: „Der Mensch ist nicht frei. Fuck!“

Jessica

Jessica ist 26, es geht ihr gut. Sie hört, als ich sie im 5. Bezirk treffe, gerade über Kopfhörer ein Lied der deutschen Rapperin Hayiti: „Eigentich ist sie Cloudrapperin. Also, eigentlich Trapperin“, erklärt sie mir, der ich keine Ahnung habe, wovon sie redet. „Okay, ein Österreicher Vertreter dieser Musik wäre Yung Hurn mit seinem Album 1220“, erklärt sie mir weiter, „den kennen Sie vielleicht? 1220 heißt das Album, weil er ja aus dem 22. Bezirk kommt, alles klar?“

Hayiti aber wäre ihr absoluter Favorite dieser Musikrichtung, weil diese „Deutschrap gerade reformiert. Sie kommt ursprünglich aus Hamburg, lebt aber jetzt in Berlin. Eigentlich kommt sie von der Straße“, erklärt Jessica deren street credibility, und ihre lyrics wären „sehr on point.“ Die gebürtige Ronja Zschoche hätte Kunst studiert und „ihr Musikvideo für den song Coco Chanel in der Strache-Villa auf Ibiza gedreht! Und sie ist eine Frau, was sehr untypisch ist für Rap! Und obwohl sie sehr klein ist, hat sie eine unglaubliche Präsenz und Kraft!“

Jessica selbst hat auf der Angewandten in Wien auch Kunst studiert, könnte also unterrichten, will aber nicht, weil „das ganze scheiß Schulsytem völlig falsch aufgebaut ist!“ Kunst macht die überzeugte Smart-Raucherin trotzdem, und unlängst gewann sie auch den zweiten Preis für ihr Foto „Smart Export: Jessie 2020“, das einem berühmten Valie Export-Foto nachgestellt war. Nebenher arbeitet sie als Verkäuferin von Luxusartikeln im 1. Bezirk, es kommen sehr reiche Menschen zu ihr. „Zum Beispiel welche, die ein 12 Meter hohes Vorzimmer haben und genug Geld, um sich dafür eine Kopie des Beethoven Frieses anfertigen zu lassen. Natürlich mit sich selbst darauf.“

Andreas

Andreas ist 60, es geht ihm so la la. Ich treffe ihn vier Tage nach dem Anschlag in der Wiener Innenstadt am Desider-Friedmann-Platz, zahlreiche Passanten legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. „Es ist halt so“, sagt Andreas, „dass man mit so was hat irgendwann rechnen müssen, bei der allgemeinen Situation in der Welt. Aber das ist natürlich ein Wahnsinn, was da passiert ist!“

Andreas freut sich, dass auch Vertreter der Islamischen Gemeinschaft Österreichs der Opfer gedenken, „das finde ich gut. Ich hab genug muslimische Freunde, und wenn manche Österreicher glauben, dass es bei uns keinen Islam geben soll: Es hat schon unter dem Kaiser Franz Joseph bosniakische Grenzregimenter gegeben und im Großen und Ganzen nie Probleme! Nur gibt es auf der ganzen Welt halt immer welche, die zündeln, und i vasteh net, warum!“ Er war bei einer großen Versicherung in Wien beschäftigt, wo er mit allen Konfessionen zu tun und nie Probleme hatte. „I sog imma: Wia ma eineschreit in Woed, so schreit’s zruck, so afoch is des.“ Wien stehe nun dafür, dass man sich das „einfach nicht gefallen lassen wird!“ Der Spruch „Schleich di, du Oarschloch!“ gefällt ihm. Deswegen ist er, der „eigentlich ein schwer kranker Mann“ ist  mit schweren Augenproblemen, extra aus dem 10. Bezirk hierher gefahren, um ein Zeichen zu setzen, „dass wir uns nicht unterkriegen lassen.“ Sagt der „überzeugte Österreicher“, bevor er in seiner Steirertracht im Getümmel der Stadt entschwindet.

Alexa

Alexa ist 45, es geht ihr wieder gut. Ich treffe sie am Morgen vor ihrem Blumengeschäft in der Hütteldorfer Straße, nachdem „sich über Nacht alles ein bisschen überschlagen hat.“ Gestern Abend schauten sie eine Tiersendung, dann kam die Meldung: Terroranschlag in Wien! Als sie heute um vier Uhr früh zum Auto gegangen ist, um zum Blumengroßmarkt zu fahren, hat sie am Handy nochmal genau nachgelesen, was passiert ist. „Ein ungutes Gefühl war das dann schon, so alleine zum Auto zu gehen.“

Drei Mal in der Woche kauft sie ein, „momentan weniger und öfter, weil du nie weißt, wie der Tag wird. Einmal sind die Leute euphorisch nach dem Motto: Ich kauf noch g’schwind was, bevor ich zuhause bleiben muss! Dann kommt wieder gar niemand.“ Insgesamt kommt es ihr so vor, als würden wir uns in Richtung zweites Biedermaier bewegen, „die Leute machen es sich zuhause hübsch, renovieren, dekorieren, halten alles sauber.“ Es gibt Pflanzen, die voll im Trend liegen und stark entgiften, „die Leute stellen sie dann auf den Fernseher oder in die Nähe vom Computer. Klassisch die Grünlilie, die Efeutute, den chinesische Glücksbaum…“

„Und der Ficus Benjamicus?“

„Na, geh bitte! Also der ist nicht mein Freund!“

„Kurzfristig“, sagt sie, „war ein bisschen Nachdenken bei den Leuten, da haben alle total den Einzelhandel unterstützt, jetzt ist das Anliegen nicht mehr so drängend. Die Leute waren nett und entspannt, in letzter Zeit aber war nur mehr Aggression und sehr viel Angst. Ich spür’ die Veränderungen total, vor der Wahl waren sie anders als danach, solche Sachen.“ Heute hat schon fünf Mal das Telefon geklingt, auch sehr ungewöhnlich.

Sie selbst sammelt Kraft in ihrer „Krautg’stett’n draußen bei Schwechat, dort schauts recht urtümlich aus“, lacht sie. „Man soll auch auf die Wildbienen schauen!“, hat ihr ein Imker gesagt. „Und die viele Libellen, die liebe ich auch!“

Milli V

Milli ist nach wie vor 79, es geht ihr so halbwegs. Draußen hat es vier Tage lang geregnet, die Freundinnen hören wieder auf, sie zu besuchen, wegen Corona. Wenn jemand anruft, dann geht es immer darum: „Mir geht es schlecht, mir tut alles weh, usw.“ Ein abermals zäher Winter zeichnet sich ab. Ich sage: „Erzähl mir von meinem Bruder.“

„Dein Bruder? Ich war 23, er war die leichteste Geburt von Euch fünf Kindern, obwohl er der Erste war. Dein Vater musste die Rettung suchen, die waren irgendwo, wir haben kein Telefon gehabt, das war nicht so einfach. Er musste mit dem Motorrad fahren sie zu suchen.

Dann kam ich ins Krankenhaus in Kirchdorf, und die Geburt war recht einfach. Die Ärzte und Krankenschwestern haben sein Muttermal an der Wange bestaunt, das war sehr groß, als er ein Baby war, die eine Schwester hat gesagt: Ein besonderes Kind! Meine Mami ist dann nächsten Tag mit Eurem Vater gekommen, sie hat etwas zum Anziehen für mich dabei gehabt und Eurem Vater hat sie glaub ich einen Strauß Vergissmeinnicht gegeben, es war ja im Mai. Dann kam ich am nächsten Tag nach Hause, wir haben bei der Tante Frieda in einem kleinen Zimmer gewohnt, wir hatten nichts, nicht einmal einen Kinderwagen.“

„Euer Vater hat im Lagerhaus gearbeitet, er hat eine ältere Frau gekannt über das Lagerhaus, eine Bäuerein vielleicht, die hat schon ein paar Kinder gehabt, und sie hat einen sehr alten Kinderwagen gehabt. Sie hat ihn Eurem Vater geschenkt, und er hat ihn dem Habacher auf den Mistwagen gestellt und ihm gesagt, er soll ihn bei uns abstellen. Der Kinderwagen war so hässlich und alt, ich habe mich so geschämt. Aber wir haben halt nichts gehabt, also habe ich ihn nehmen müssen. Und aus Deinem Bruder ist dann ja doch etwas geworden… Ob ich bei Dir schon einen schöneren Kinderwagen gehabt habe? Ich glaube nicht… „

Heiko

Heiko wird im Dezember 59, es geht ihm gut. Er hat drei Packerl altes Vinyl, seinen eigenen Plattenspieler sowie seine beiden bewährten Lautsprecher eingepackt, als er im Shambala im 6. Bezirk zum Opening ankommt. Nina, die vormalige Besitzerin, hat das Lokal an Daria übergeben. Beider Väter sind kürzlich verstorben, sie hängen auf Bildern über der Budel im Gastgarten. Das ist berührend.

Heiko ist experimenteller Maler und hat bei Oberhuber, Caramele, Weibel und Moosmann studiert. Teil des „Kunstmarktes“ wurde er nie, auch nicht in Berlin, wo er zehn Jahre lebte und im Café Burger auflegte, oder in Leipzig, wo er zwei Jahre war, oder in New York. Musik war schon beim Arbeiten immer wichtig für ihn, sein Zwillingsbruder ist ein super Trompeter, der hat ihn mit Vinyl angefixt. Beim heutigen DJ-Set wird er Bewährtes auflegen: Ein Drittel Deutsch (Nina Hagen), ein Drittel Österreichisches („Wenn’s paßt André Heller“), ein Drittel Internationales („Al Green zum Schmusen“).

Man muss den Männern eine Chance geben, weil die trauen sich oft nicht, dann trauen sich sich nicht, dann hol ich das ganze wieder runter, bevor ich ihnen eine zweite Chance geben“ Kommen die Girls auch zu ihm? „Aus meiner Erfahrung nie! Mein DJ-Lohn ist immer, wenn die Pärchen vor mir auf der Tanzfläche schmusenderweise in die Knie gehen.“

Ingrid

Ingrid ist 70 plus, es geht ihr gut. Ich treffe sie am Vorgartenmarkt, wo sie an einem Workshop teilnimmt, sie interessiert sich für alles, was mit Kunst zu tun hat. „Ohne Kunst ist das Leben wie eine Suppe ohne Salz.“ Ihr Vater war akademischer Maler, der sie auf seine Streifzüge durch die Natur und die Stadt mitgenommen und „das Sehen gelehrt“ hat. Sie selbst ist gelernte Schauspielerin, „es hat früher sehr viele Kellertheater gegeben, leider sind die alle geschlossen.“ 1958 kam sie nach Wien und wuchs in Hietzing auf, aber die Innere Stadt war ihr Bezrik. „Dort gab es das Tabarin in der Annagasse, man hat Boogie getanzt. Dann gab es Fatty’s Saloon, der war wunderbar. Fatty hat die Szene aufgemischt, ich habe Jazz geliebt, was bei Frauen absolut nicht üblich war.“ Sie gehörte einer Gruppe lebenshungriger Existentialisten an, „wir waren alle schwarz angezogen und haben uns in Theaterpremieren reingesetzt und provoziert, vom Existentialismus hatten wir aber keine Ahnung.“ Dann entdeckte sie H.C. Artmann: „Auf der Mariahilferstraße gab es eine Buchhandlung, dort lag ein Buch, ich kann mich so gut erinnern: Med ana schwoazzn Dintn stand drauf. Das war herrlich!“

Milli IV

Milli ist nach wie vor 79, sie friert ein bisschen, als sie im Wohnzimmer sitzt, vor dem Bild, das ihr Geburts- und Elternhaus zeigt. Sie hat sich in eine Decke eingewickelt, ich sage: „Erzähl mir vom Brotbacken.“

„Vom Brotbacken? Na gut, das hab ich von meine Mami gelernt, deiner Omi. Der Dati, dein Opa, ist mit den Rössern immer zum Klein-Bäcker hinunter gefahren und hat ihm das Troat, das Getreide, gebracht, dafür hat er dann das Mehl mit heim genommen, in Säcken.

Die Mami hat dann immer über Nacht einen Sack Roggenmehl und einen Sack Weizenmehl in einen großen Holztrog geschüttet, dazu das Salz, die Gewürze, die Germ. Der Trog ist in der Stube gestanden, da war es schön warm und der Teig hat arbeiten können. In der Früh hat sie ihn dann mit den Händen bearbeitet, das war eine starke Arbeit, du, glaub mir, die hat eine Kraft gehabt.

Dann hat sie aus dem ganzen riesigen Teig ich glaub immer zwölf oder dreizehn Laibe gemacht und in eine Model hineingedrückt, da war dann immer das Muster drauf am fertigen Brot. Der Ofen hat natürlich richtig heiß sein müssen, sie hat genug Buchenholzscheiter hinein getan, und dann hat sie die Laibe mit der Brotschaufel in den Ofen hinein geschoben. Gedauert hat das, ich weiß nicht, eineinhalb Stunden? Sie hat dann immer wieder eines herausgenommen und drauf geklopft, daran gerochen, es hat halt passen müssen, es hat einfach passen müssen. Nicht zu hart, nicht zu weich.

Das fertige Brot hat dann gerochen, herrlich! Dein Opa hat dann über den ersten Laib drei Kreuze geschlagen, dann hat er es angeschnitten. Wenn die Männer ins Holz gegangen sind, dann haben sie sich ein Brot und einen Speck mitgenommen. Wir haben Butter- und Honigbrote gekriegt. Ausgekommen sind wir mit ein Mal Brotbacken vielleicht zwei Wochen, vielleicht eine.“

„Und du hast dann später das gleiche Brot gebacken wie die Omi?“

„Ich hab das gleiche gebacken. Ein bisserl heller vielleicht.“

„Und wer ist dein größter Fan?“

„Der Alexander von der Roswitha oben. Der ist vier, und immer, wenn er zur Haustüre kommt, fragt er, ob ich was Süßes habe. Und dann sagt er: Aber wenn du nix Süßes hast kannst mir ein Brot auch geben, ich weiß eh, wo du es hast, geh in den Keller und hol eins. Dann hol ich ihm eins, wenn wenn er dann hinaufgeht zum Haus von der Roswitha sehe ich ihn schon hineinbeißen, in den ganzen Laib.“