Jirod

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Jirod ist 18, es geht ihm „ja eh leinwand“. Er nennt sich „Giroud“ wie der französische Fußballstar, weil seinen schönen tschechischen Vornamen, wenn er ihn ausspricht, niemand versteht. Seine ebenso schönen blonden Haare hat er in der Erbfolge vom Vater übernommen, der sie aber nie so schön lang trug wie er, „höchstens einmal bis zu den Schultern.“ Mit 25, hat er dem Sohn dann mal erzählt, war er dann irgendwo in Italien im Meer, und da waren ihm die halblangen Haare plötzlich zu verpickt und klebrig, also schnitt er sie ab. Jirod verwendet für seine Haare keine „Produkte“, höchstens auch mal „Salz.“ Wickler hatte er schon mal drin, aber nur, als er sich vorne an der Stirn eine Welle gemacht hat.

Warum er die Haare lang trägt? „Ich scheiß drauf.“ Sieht er eine Karriere für sich am Horizont? „Karriere, wie man´s nimmt.“ Wenn, dann vielleicht eine mit „Rockstarlifestyle“. Er ist gerade zweiter Gitarrist bei den Leftovers, früher war er dort Bassist. Zuvor war er bei der Band Damenfrisiersalon „nur Garfiker“, und wieder zuvor bei der Band Galerie 54 hat er „eigentlich gar nichts gemacht.“  Das ist dann auch schon fast eine Karriere.

Er war gerade mit seinen Freunden beim diesmal ganz sicher absolut letzten Slayer-Konzert in der Stadthalle. Deren Form des Rockstarlebens sagt ihm zu. „Die sind keine alten Säcke, das sind Legenden. Und Legenden sind nie alte Säcke.“

 

 

 

Johann

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Johann ist 65, es geht ihm gut, denn er ist erlöst. Er glaubt ‚“an Gott, an Jesus Christus, seinen Sohn, der für uns bezahlt hat.“ Mit ungefähr 25 Jahren gab es „Situationen, gewisse Einschnitte in meinem Leben, Schicksalsschläge, Verlust, Trennung“, wo er sich die Frage stellte: „Warum bin ich da, wo komme ich her und wo gehe ich hin?“ Diese drei Fragen sollte sich jeder Mensch stellen, damit er eine Antwort darauf findet.

Ihm sind zu dieser Zeit Menschen begegnet, die schon Christen waren, sie haben ihn eingeladen nach Zahling im Südburgenland: „Komm doch zu uns, wir haben Bibelkreise …“ Das war großartig, denn ihm fehlte etwas: „Die Bibel ist Gottes Wort, du brauchst den Heiligen Geist dazu, um es zu verstehen. Und du musst tun, was Gott in der Bibel sagt: Tu Buße, kehre um, bekenne deine Sünden. Und dann glaube, dass Jesus Christus, der Sohn für dich am Kreuz gestorben ist. Dann bist du ein Kind Gottes.“ Das hat er getan mit ungefähr 40, und „das kann man nicht erklären, das muss man erleben, das war so was Großartiges. Denn in diesem Moment wusste ich: Ich bin nicht mehr verloren, ich gehe nicht mehr in die Hölle, ich werde nicht mehr gerichtet. Wenn ich sterbe, dann gehe ich in den Himmel und bin unter dem Schutz Gottes.“

Früher, als er noch unter der Macht Satans stand, musste er sündigen, er konnte gar nicht anders, auch wenn er wollte. „Aber wenn man das Leben aus Gott hat, den Heiligen Geist, dann muss man nicht mehr sündigen. Wissen Sie, wie wunderbar das ist ist? Ich kann zwar noch, aber ich muss nicht mehr, ich bin nicht mehr unter seiner Gewalt!“ Glaubt er an die Hölle? „Jesus Christus hat doch mehr von der Hölle geredet als vom Himmel! Der Lohn der Sünde ist der Tod. Die ewige Trennung von Gott. Er muss die Menschen richten!“ Hat er früher Angst gehabt? „Ja.“ Denn einer im Bibelkreis hat zu ihm gesagt: „Johann, wenn du nicht bekehrt bist, dann gehst du in die Hölle. Und da habe ich gesagt: In die Hölle will ich nicht.“

Dann ist er heimgefahren, „und wie ich reingehe bei der Haustüre, da bin ich stehen geblieben, den Moment werde ich nie vergessen: Jetzt stehe ich bei einer Gabelung. Ein Weg nach links, ein weg nach rechts. Der Geist Gottes hat zu mir gesagt: Du musst dich entscheiden. Das war schwierig, denn dann kam der Feind und sagte: ‚Jetzt musst du alles aufgeben’, er versuchte es mir auszureden.“ Aber dann ist Johann auf die Knie gegangen und hat seine Sünden bekannt, er hat gesagt: „Gott, du hast recht.“ Dann ist es herausgesprudelt „wie eine Fontäne“, er hat gar nicht mehr nachgedacht. „Eine Verstandesbekehrung nützt nichts, es muss von Herzen kommen. Ich habe um Vergebung geben, und in dem Moment, wissen Sie, was dann passiert ist? Dann ist diese Sündenlast von meinen Schultern gefallen, und ich habe gewusst: Ich bin befreit. Das war so großartig, die Tränen sind mir runter gekommen. Ich wusste: Mir kann nichts mehr passieren.“

HeJo

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HeJo, das ist die Abkürzung für Hermann Josef, ist 68, es geht ihm gut. Er residiert gerade im Regina Hotel neben der Votivkirche, wo sich … na, wie heißt er … dieser berühmte Schauspieler umgebracht hat vor zwanzig Jahren. Peter Vogel.“ Wenn er durch Wien spaziert, dann findet er: „Der Hohe Markt ist so merkwürdig, der stimmt irgendwie nicht, aber er ist spannend. Ich glaube, der war mal viel wichtiger, als er jetzt ist, und darunter leidet er.“ Ich sage: „Vielleicht liegt es an dem Selbstmord durch Gasexplosion, der dort vor zwei Jahren stattgefunden hat?“

Wir haben also ein Thema, nämlich Selbstmord. Aber dann kommen wir zu Joseph Roth, den Schriftsteller, den wir beide sehr schätzen. Ich war ja vor zwei Jahren an seinem Geburtsort Brody in Galizien, HeJo war dafür mal „in Paris in der Kneipe, in der er sich mit Mirabell Schnaps zu Tode gesoffen hat.“ Er mag den Radetzkymarsch, ich Die Legende vom Heiligen Trinker. Er findet, das wäre Kitsch, ich gebe ihm Recht, meine aber, dass der Schlusssatz Kitsch auf alle Fälle rechtfertigt: „Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod.“

Einen leichten und schönen Tod aber findet HeJo gar nicht gut, „man muss schon auch ein bisschen leiden, bisschen Schmerzen haben, das ist schon in Ordnung. Ich finde all die Leute dämlich, die immer sagen, sie wollen im Schlaf sterben. Man muss ja den Tod auch miterleben!

Mejra

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Mejra ist 64, es geht ihr gut. Sie ist in Bosnien geboren und hat dort Herrenmaßschneiderei gelernt bei Mustafa Kismic, „er war der beste, ein superguter Schneider“ aus einer alten Schneiderdynastie. Heute macht sie keine Maßanzüge mehr, „weil ich habe das verlernt“. Meine Anzughosen, die ich ihr immer bringe, müssen genau 107 cm lang sein.

1974 kam sie für zwei Wochen Urlaub nach Wien, wo sie ihren Bruder besuchen wollte, und blieb. Sie fand Arbeit bei einer Wasch- und Reinigungsfirma im 14. Bezirk, aber „das war Scheiße, alle haben gesagt: ‚Du scheiß Tschutsch! Scheiß Jugos! Geht ihr heim!’, haben geschrien wie am Spieß. Hab ich mir gedacht: Na geh, ihr könnt’s mich gern haben.“

Seit 30 Jahren hat sie nun ihre Änderungsschneiderei drüben auf der Märzstraße, ihr gefällt es hier sehr gut, sie kennt beinahe alle im Bezirk. Gibt es schwierige Kunden? „Na, sind alle harmlos. Es kommt halt immer darauf an, wie du selber bist. Kunden, die schwierig sind, bleiben sowieso nicht, die gehen einfach wieder.“ Die Leute bringen ihr meistens Lieblingsstücke, von denen sie sich nicht trennen wollen, die schon halb zerfallen, die sie retten muss. Geld spielt dabei keine Rolle, das machen auch reiche Kunden.

Am Anfang, vor 25 Jahren, kam immer ein Dr. Jauker, der hat ihr sehr geholfen. „Er hat gesehen, dass ich keine Arbeit habe, dass keine Kunden kommen. Da ist er jeden Tag gekommen und hat eine Hose gebracht: ‚Machen wir kürzer!’ Nächsten Tag ist er wieder gekommen: ‚Ist ein bisserl zu kurz!’ Nächsten Tag wieder: ‚Doch ein bisserl länger!’ Er war ein kleiner Pfarrer von oben in der Pouthongasse, so einen Bauch hat er gehabt. Er war 86 Jahre alt und wollte mir helfen, aber das Geld nicht schenken: ‚Hier hast du 4000 Schilling, weil die Löcher sind schwer zu machen.’ Irgendwann hat er dann einen Herzinfarkt gehabt und ist gestorben, er war mein Schutzengel.“

Bevor ich gehe, sagt Mejra noch, dass sie eine Frau für mich hat, „ist sie 45 und Ärztin, keine Kinder, aber ein Hund.“ Frage ich sie, ob sie gut ausschaut. Sagt sie: „Das hat sie mich auch gefragt, ob du gut ausschaust.“ Und was hat sie der Ärztin gesagt? „Habe ich gesagt: Was ist Schönheit? Schönheit ist nicht wichtig.“

Hans Herbert

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Hans Herbert ist 67, es geht ihm – „jaja, eh gut“. Er ist auf der Buchmesse unterwegs, um sich nach den neuesten Hörbüchern zu erkundigen, früher konnte er normal sehen und las auch ständig, nun ist seine Sehkraft extrem eingeschränkt, und lesen kann er nicht mehr. Daher konsumiert er nun Literatur über Hörbücher, sie sind für ihn „die Fortsetzung des Lesens“.

„Man sucht die neuesten Bücher, und dann schaut man, wie schnell sie umgesetzt werden auf Hörbücher.“ Am liebsten hört er Internationale Bücher, und da hat er zwei Probleme: Die Übertragung ins Deutsche dauert oft schon sehr lange, und dann erst recht die Umsetzung als Hörbuch. Dass sie relativ teuer sind, findet er okay, „Bücher haben ihren Preis.“ Er ist Käufer und leiht aus.

Hans Herbert ist mit einer ebenfalls blinden Kollegin unterwegs, mit der zusammen er Sport betreibt – Laufen, Klettern, auch wettbewerbsmäßig. Er gewann Österreichische Meisterschaften lief auch schon den New York City Marathon in 5 Stunden und 17 Minuten. Der Start erfolgt auf der berühmten Verrazzano Bridge draußen in Brooklyn, die den Stadtteil mit Staten Island verbindet und nach Giovanni da Verrazzano benannt ist, einem italienischen Entdecker, der 1524 als erster Europäer die amerikanische Atlantikküste von Florida bis New Brunswick befuhr. „Wenn da auf der Brücke alle gemeinsam weglaufen, dann schwingt die ganz schön!“

Lojze

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Lojze ist 64, es geht ihm „fantastisch“. Er schneidet gerade Schinken von einer Sauhaxe, „die 18 bis 24 Monate am Buckel hat“, und erzählt auf Kärntnerslowenisch: „Wie wir Kinder waren, haben wir immer den Schwanz von der Sau halten müssen, weil sonst haben wir keine Wurst gekriegt. Dann haben sie die Sau mit dem Schussapparat erschossen, sie in den Sautrog gelegt, mit der Kette gehaart, und dann ist die Mutter schon gerannt mit dem Blut im Topf zum Herd. Das ist sofort eingekocht worden, ein bisserl ein Buchweizensterz dazu, dann noch die Rollgerste, und dann alles in den Darm eingefüllt. Aber!“

„Als erstes ist natürlich die Leber dran gekommen. Warm, wie sie war, aus der Sau aussa und auf die Herdplatte, das war die erste Jause. Obagschnitten, a Bier und a Schops dazua, des woar herrlich. Aber!“

„Fast noch wichtiger war die zweite hervorragende Geschichte, die Zumrnca. Das Stuckfleisch ist aufgehoben worden, wenn da von den Sauwangerl was übrig geblieben ist, dann ist es zur Wurscht gegeben worden. Dazu wurde die Lunge gebrüht, faschiert und im Verhältnis 1:2 der Wurscht untergemischt, statt dem fetten Fleisch, bei der normalen Wurscht hast du ja einen Fettanteil von 25 bis 30 % . Aber da wurde das Fett durch die Lunge ersetzt, dann alles in den Darm, abgebunden, geselscht. Und am Weihnachtsabend ist sie auf den Tisch gekommen, das war das beste Weihnachtsessen, dass du jemals gehabt hast. Aber!“

„Als sie bei uns aufgehört haben, Schwein zu stechen, hat es 39 Jahre lang keine Zumrnca gegeben. Das, was sie mir vorgesetzt haben, war keine Zumranca.“ Also was tun? „Hab ich die Mutter gefragt: Wie habt ihr sie gemacht, wie viel Pfeffer gibt man dazu? Und sie hat mir gesagt: Da Vota hat immer so viel reingetan, dass du auf der Hand, wenn du ordentlich die Wurscht gemischt hast, gleichmäßig die Pfefferkörner verteilt gesehen hast. Bin ich also zum Fleischhauer gegangen, und wir haben 100 Würschtl von der Zumranca nachgemacht, hinein mit den Händen in den Wurschtkessel, die Würschte gemischt. Und dann hab ich mich auf den Markt gestellt und in 15 Minuten 50 Würscht verkauft, acht Euro das Kilo, günstig. Die anderen fünfzig hab ich für die Verwandten aufgehoben, davon eine für die Mutter. Und!“

„Frag ich sie nach der Verköstigung: ‚Na? Wie wor sie?’ Und sie sagte: „Jooo, eh. Wia sie holt friaher worn.“ Ein Ritterschlag.

Josef

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Josef ist 87, es geht ihm gut. „Darf ich vielleicht kurz sagen, dass ich auf einen Rückruf warte, nur dass Sie nicht glauben, ich bin unhöflich.“ Ich treffe den Gentleman auf der Buch Wien, er ist selbstverständlich Buchlieber und an „Bildung und Fortbildung interessiert“. Josef hat keinen akademischen Titel, „aber ich kann lesen.“ Er hat die Mittelschule absolviert, „aber die Bildung muss man sich selbst anlesen. Ich war 40 Jahre Abonnent in einer Leihbücherei der Stadt Wien, so viel zu den guten Dingen der Stadt Wien, und habe jeden Abend ein, zwei Stunden gelesen.“ Die Bücher hat er sich nach folgendem System ausgebort: „Durchgehen wie durch ein Museum, das Buch heraus nehmen, mit z’haus nehmen, lesen und wieder hineinstellen. Da kommt ein bisserl ein Überblick zusammen.“

Josef kleidet sich gerne gut, „mein Eindruck auf den Rest der Welt ist mir nicht egal, sagen wir so.“ Seit wann? „Das kann ich nicht sagen, wann das begonnen hat. Im Laufe der Jahre hat sich mein Geschmack entwickelt und ich hoffe, die Leute halten ihn aus.“

Er ist heute mit dem „Sonntagsstock“ unterwegs, schaut immer, dass auch „der zum G’wand passt. Der hat gekostet, glaub‘ ich, 70 oder 75 Euro, und die anderen zwei daheim haben gekostet einer 26 und einer 28 Euro.“ Was bedeutet sein Abzeichen am rechten oberen Ärmel? „Nix. Das ist nur drauf, weil da ein Mottenloch war.“

Cordula

Cordula

Cordula ist 56, es geht ihr gut. Ich treffe sie im Gartenbaukino während der VIENNALE, als wir uns beide den Film „L´empire de la perfection“ anschauen, eine Dokumentation über den Tennisspieler John McEnroe, der 1984 ein legendäres Finale bei den French Open gegen Ivan Lendl spielte, er war 25, Lendl ein Jahr jünger. Die ersten beiden Sätze hatte der Heißsporn aus New York souverän gewonnen, im dritten führte er klar. Aber dann riss bei ihm der Faden, als Lendl zum Schiedsrichter ging und ihn wütend fragte: „Are you afraid of this guy?“

Plötzlich regte sich „this guy“ über jeden Fotografen auf, verjagte sie aus ihren Unterständen, ließ bei jedem Ball den Linienrichter kommen und schrie ihn an: „There is no mark!“ Er brachte keinen Volley mehr ins Feld, und irgendwann hatte man das Gefühl, jetzt fängt er gleich an zu weinen. Lendl gewann den fünften Satz mit 7:5, und McEnroe schlug dann beinahe noch mit seinem Racket ein paar Fotografen zu Brei. Angeblich soll er mal zu seiner Mutter gesagt haben: „Jetzt habe ich das College absolviert und ein paar Tennisturniere gewonnen, darf ich nun endlich mein eigenes Leben führen?“

Cordula liebte diesen Film, und ich auch. Sie spielte früher selbst Tennis, als 8- oder 9jähriges Mädchen mit einem Holzschläger von Dunlop, natürlich noch mit Darmsaiten bespannt, und sowohl Rück- als auch Vorhand schlug sie einhändig, wie sich das damals gehörte. Der ungarische Tennislehrer war „zutiefst gelangweilt, als er mir die Bälle zuwerfen musste.“ Ihre Mutter spielt heute noch sehr gut, aber Cordula interessierte sich bald mehr für die Tennismode: „Die weißen Socken mit den drei Streifen!“ Dabei spielte McEnroe sein Leben lang in Sergio Tacchini.

Ein Jahr nach diesem Finale schenkte Cordula ihrem Sohn das Leben, wenig später zog sie nach New York, wo McEnroe noch immer lebt. Getroffen haben sie sich nie, auch nicht in der Concorde, mit der sie einmal von Paris nach New York flog: „Ich war die einzige Frau auf diesem Flug, sonst sah ich nur Männer in Anzügen. Es war ziemlich eng, mehr so wie in einem Zug, aber großartig. Es ging rauf und gleich wieder runter, als würde man hüpfen. Es gab Champagner, und jeder bekam einen Flachmann, den man sich immer nachfüllen lassen konnte.“

Den Flachmann hat sie heute noch.

Anders

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Anders ist 41, er ist gerade ein bisschen verkatert. Gestern war er mit seiner Frau im Schlupfwinkel, einem Lokal bei ihm um die Ecke im 4. Bezirk. Sie arbeitet für eine Internationale Menschenrechtsorganisation, und ein Freund, der auch für eine Internationale Menschenrechtsorgansiation arbeitet, ist aus Boston nach Wien gekommen wegen einer UNO-Konferenz.

Sie haben also viel getrunken und über die Sorgen der Welt geredet, „aber es ist schwer, über Menschenrechte zu reden!“, sagt Andres. „Jeder denkt: Menschenrechte, wow, so super! Was für eine positive Arbeit!“ Der gebürtige Amerikaner hat den Freund seiner Frau also auf Englisch gefragt: „He, was machst du genau? Und er hat gesagt: Yeah, I am here because of sexual violence against children. Und ich: Tatatataaaaam! Yeah, great! Can we talk about Soccer?“

Heute geht Anders noch „zu einem Vortrag von irgendwelchen Sozialisten über die Erste Republik“, ohne seine Freundin. Ein Freund, der bei den Wiener Linien arbeitet, hat ihn eingeladen. Die Sache steigt „im Museum der Kubanischen Kultur oder so was, ich habe keine Ahnung, wo das ist. Ich habe auf Google Maps nachgeschaut, aber es gibt nicht einmal eine Buslinie dort hin, wahrscheinlich muss ich auf kubanische Art zu Fuß gehen.“ Ob er erwartet, dort guten kubanischen Rum trinken können? Er erwartet folgendes: „Hoffentlich gibt es gute weiße Spritzer!“

Jelani

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Jelani ist neun, es geht ihm „schlecht“. Die ganze letzte Woche hatte er frei, jetzt muss er wieder in die Schule, jeden Tag vom 15. in den 6. Bezirk. Ér war gerade für zwei Tage in Bratislava, ist dort mit dem Flix Bus hingefahren, das Donau-Schiff hat bis zur Weihnachtssaison Pause. Halloween hat er nicht gefeiert, er war auch nicht verkleidet, es hat niemand bei ihm angeklopft, meine Fragen langweilen ihn.

Nicht langweilig war: Im letzten Sommer ist er mit dem Papa nach Amerika geflogen, nach New York und Los Angeles, wo seine Großeltern leben. Er ist am liebsten in Wien, dann aber lieber in Los Angeles als in New York. Im berühmten Staples Center hat er sich ein Spiel der berühmten Los Angeles Lakers angeschaut, der berühmte LeBron James trägt das Leiberl mit der Nr. 23, die schon der berühmte Michael Jordan getragen hat, allerdings für die Chicago Bulls. LeBron ist „wirklich sehr groß“.

Jelani spielt selbst auch Basketball und trägt dabei das Leiberl mit der Nummer 5, wie sein Lieblingsspieler Robert Horry. Der gewann sieben Meisterschaften in der NBA, und zwar mit den Houston Rockets, den Los Angeles Lakers und den San Antonio Spurs. Sein Nickname war „Big Shot Bob“. Wenn Jelani noch ein bisschen wächst, wird er „Big Shot Jelani“ werden. Gestern spielte er mit den Basket Flames gegen die Capricorns und gegen die BC Vienna 87, und natürlich gewann er.